Die erste Woche

Cabrera April 2015

Mit Glücksgefühlen haben wir von einer Woche die Betten der schönen Saphir bezogen und die Palette mit Kissen, Kleidern, Fahrrädern und Ersatzteilen ausgepackt. Mit Ausnahme des wieder defekten Generators ist alles bestens. Wir haben nun genügend Kissen an Bord, auch für Gäste, und trotz 28-Zoll Fahrrädern immer noch Stauraum frei. Nachdem der Mann mit Generator-Expertise, der zufällig gerade auf Mallorca ist, fetsgestellt hat, dass das Ding wieder einen Standschaden hat, haben wir uns auf den Weg nach Cabrera angetreten. Dort ist es zu idyllisch um die Saison dort nicht zu beginnen. Wassertemperatur: 17.5°. Lufttemperatur ca. 25°, schöne Winde und wenig Leute. Einfach herrlich.

Die letzte Woche in Tübingen

Kaulquapen2015

In den letzten 10 Tagen hat sich der Frühling auf wunderbare Weise durchgesetzt. Aber uns fehlt die Saphir und das Meer! Samstagmorgen geht es 5:00 nach La Palma los. Der vorläufige Plan lautet Einschiffen, Generator testen (!), Lebensmittel einkaufen, Hafen verlassen und nach Cabrera segeln. In der Bucht werden wir die Karten studieren und die Reiseroute planen. Ziel: bis Ende September Montenegro erreichen. Wir freuen uns auf die Reise wie kleine Kinder! Die Kaulquappen im Teich in Tübingen, die zu Tausenden seit einer Woche geschlüpft sind, müssen ohne uns auskommen. Ich werde an das quirlige Leben denken und annehmen, dass sie 2015 alle überleben. Im letzten Jahr waren sie plötzlich verfrüht verschwunden.

Der letzte Monat auf dem Wasser

Meine Schwester Anja wohnt in Altea. Wir trafen dort am 20. September ein. An einem Nachmittag gingen wir bei steifem Wind mit Anja und Familie Segeln, das war herrlich. Am 22.9. ging ich nach Uster und Klaus war 6 Tage lang alleine in Altea. Wenn Klaus alleine ist geht er Pizza essen. Wichtiger: er sorgte für die notwendigen Reperaturen.

Endreinigung

Der Generator läuft. Er hatte einen Standschaden. Da wir ihn zu Beginn nicht brauchten hatte er sich im salzigen Kühlwasser festgefressen. Man musste nicht wie gefürchtet den ganzen ersetzen, das war ein Glück. Seither lassen wir ihn regelmässig laufen – Pausen liebt er gar nicht. Am Vorsegel hatten wir ein Loch. Das war entstanden weil wir das Fall nicht stramm durchgesetzt hatten und beide Segel ein wenig durchhingen. Am vorderen gab es dann einen Riss. Die Segelmacher sind gekommen, haben das gerichtet und wir waren danach wieder schneller unterwegs und ein wenig klüger.

Eigentlich hatten wir uns entschieden, die Saphir in Valencia zu überwintern. Vorher wollten wir nach Mallorca um Amelie und Familie zu treffen und dann wären wir am 5. Oktober von Mallorca zurück nach Valencia gestartet. In Calla d’Or an der Ostküste von Mallorca gab es aber ein paar schöne Überraschungen.

Fritz und Klaus in Cala dor

Fritz. Er ist ein richtiger kleiner Seeman – er kann problemlos bei Krängung und Wellen Milch trinken. Auch Ben ist erwachsener geworden, das sind manchmal bei den Kleinen richtige Sprünge. Die nächste Überraschung war die Marina in Calla d’Or. Sie ist völlig geschützt und hat uns begeistert. Mit wenig Hoffung auf einen humanen Preis haben wir nachgefragt – und ein gutes Angebot für den Winter erhalten. Das stimmte uns fast euphorisch. Wir hatten auch Zeit gewonnen und nutzten sie, um die Insel und das Naturschutzgebiet Cabrera zu besegeln. Das war ein krönender Saisonabschluss. Wir blieben 4 Tage in der Bucht, gingen viel baden (Wasser 26°) und spazieren und genossen die wunderbare Landschaft und die Ruhe.

CabreraKleinBesucher Cabrera

Danach haben wir 3 Tage lang die Saphir geputzt (echt!) und die Motoren konserviern lassen und alles gewaschen und getrocknet. Und seit gestern Nacht 23:15 sind wir hier in Tübingen auf festem Boden.

Noch ein letztes Wort für eventuelle Besucher 2015: auf der Saphir gibt es neuerdings täglich frisches Brot.

BrotBacken

Ich habe die Kunst des Wurzelbrotbackens entdeckt. Wir backen sie fast fertig und dann gibt es jeden Morgen eine frische Stange. Wer hat Zeit und Lust? Es war nämlich so schön, dass wir schon die nächste Etappe planen!

Schön Blau und ganz schön warm

Die neue Entwicklung ist nicht auf der Wärmefront zu suchen sondern die, dass wir hier im Süden Spaniens gerade immer mehr andere Ehepaare antreffen, die gleich unterwegs sind wie wir. Alle suchen gerade Winterlager für ihre Schiffe. Wolfgang und Gabi, die uns das Bild machten, sind schon seit 8 Jahren unterwegs und noch kein bisschen ermüdet. Ein schwedisches Ehepaar, das gerade dieselben Strecken macht und das gleiche Schiff nur grösser hat, ist schon seit 3 Jahren für jeweils 6 Monate unterwegs. Es macht uns immer noch grossen Spass!

Saphir von Wolfgang

Meet Johnny B. Cool

An der Atlantikküste hatte das Wasser maximal 21°, meist weniger als 20. Hier am Mittelmeer haben wir 29°! Tagsüber ist es unglaublich heiss und in der Nacht wird es kaum kühler. Heute kletterten wir ein wenig in Cartagena herum – schon die Neanderthaler taten das (und hinterliessen allerlei Pigmentstückchen) und die Lyzäer (sie hinterliessen Färbereien) und Römer, Karthager, Christen, Islamisten – ein interessanter Ort. Wie gingen sie alle mit der Hitze um? Wir haben online einen Air-Conditioner gekauft. Er passt grad noch in die Zwischenräume, heisst Johnny B. Cool und sorgt dafür, dass wir nachts schlafen können. Er trocknet die Luft und kühlt sie auf 28° aber kein Grad wärmer.Klaus und Johnny

Kalte Küche und große Hitze

Wir sind in der Marina del Este östlich von Malaga hängengeblieben. Seit drei Tagen bleibt unsere Küche kalt, weil ein Ventil hinter der Gasflasche kein Gas mehr in den Gasherd strömen lässt. Das Ventil war nirgendwo aufzutreiben und es kommt angeblich Dienstag aus Schweden. Wir haben uns ein Kocheraufsatz für die Gasflasche gekauft. Es war ein Versuch wert, aber Katrin hat Angst vor offenem Feuer (Bem. Katrin: ich fackelte mal ein Labor ab!) und die Not ist nicht groß genug, zumal wir direkt vor vor dem Restaurant „David“ liegen, der uns bereits als Stammgäste freudig begrüsst.
Klaus campingkocher - Kopie
Gestern haben wir uns ein Auto gemietet und sind nach Granada gefahren. Alhambra ist eine Pracht! Eine schweisstreibende Pracht – nach 5 Stunden war ein Fußbad dringend notwendig.
_alhambra
Denn es ist drückend heiss: jeden Tag mehr als 30 Grad, wenig Schatten auf dem Schiff, die Körper in der Nacht ganz „sticky“. Katrin ist heute morgen tauchen gegangen und freudig-frierend zurück gekommen. Ein wenig Abhilfe schafft auch die kleine Badebucht, die ganz nah bei unserem Hafen liegt. Die Marina ist ein kleines, nicht überlaufenes Urlaubsparadies. Und morgen gehen wir einen kleinen Airconditioner kaufen.

Andalusisches Wechselbad

Gibraltar war unser Ding nicht – der Hafen, grad neben der Landebahn, war ganz in Ordnung, aber man wird in Menschenmengen durch die Gassen und auf den Berg mit den Affern geschoben und das alles bei stehender Hitze. Im Übrigen sollten die Engländer die Kronkolonie endlich an die Spanier zurückgeben._Gibr

Wir haben die Stadt ohne Wehmut verlassen und sind nach Sotogrande, eine in den 80ern angelegte Siedlung für Wohlhabende, gesegelt. Grosse Autos und Motoryachten, Beautiful People und ein Sterne-Restaurant, in dem wir Klaus-Geburtstag feierten.

_Soto

Dort wurde unser Generator zum dritten Mal geprüft, für kaputt befunden und nicht repariert. Auch Sotogrande verlassen wir ohne Wehmut und segeln nach Benalmadena: billigster Tourismus, verschandelte Küsten, schlechtes Essen, enge Platzverhältnisse im Hafen, grosse Hitze und der vierte Generator-Reperateur, der uns sagte, dass wir einen neuen brauchen und er das aber nicht mache. Also verlassen wir Benamaldena und segeln nach Malaga. Wir konnten von unserem Liegeplatz aus die Anlagen der Stadt aus nächster Nähe geniessen. Das Wasser hat hier auch 26°, sodass man sich immer wieder schön abkühlen kann. Das hat uns mit Andlausien versöhnt und wir blieben 2 Tage.

Malagas Anlegeplatz wird von der Hafenpolizei gemanagt. Als wir ankamen, war nach 10 Minuten schon ein Polizist da um zu kassieren. Der Preis war der höchste, den wir auf der ganzen Reise bezahlt haben. 2 Nächte für 190 Euro (es gab aber keinen Strom, keine WCs und keine Duschen). Um 23.55 Uhr am zweiten Abend fährt wieder ein Polizeiauto vor, diesmal mit drei Insassen. Sie wollen wieder Geld von uns. Nach einiger Zeit verstehen wir wie das läuft: Man bezahlt nicht für eine Nacht sondern für die Zeit von 0-24 Uhr. Mitternacht muss man wieder bezahlen oder gehen. Interessanterweise kostet der dritte Tag nur noch 25 Euro.

_Klaus

Um ein Haar hätten wir in Malaga die Saphir mit einem Gartenschlauch versenkt. Solange wir die Alkazaba besuchten ist unser Wasserschlauch geplatzt und hat kräftig Wasser durch das Luk in die Kajüte gespritzt. Ein Unbekannter drehte uns rechtzeitig den Hahn zu. Sonst hätten wir bei unserer Rückkehr vielleicht nur noch die Mastspitze vorgefunden!

Der Atlantik verabschiedet sich von uns mit dicken Backen

Gestern sind wir in Gibraltar angekommen, nach Ostsee, Nordsee und Atlantik sind wir ab jetzt im Mittelmeer unterwegs. Allerdings hat sich der Atlantik von uns mit Starkwind über 30 Knoten verabschiedet. Im 4. Reff sind wir rund Cabo Sao Vicente, der äussersten Ecke Portugals gesegelt. Auch die Überfahrt von einer friedlichen Anklerbucht bei Faro nach Cadiz entwickelt sich ein wenig dramatisch.Nach beschaulichem Beginn mit schönem Wind  mussten wir gegen  Starkwind, Welle und Strömung ankämpfen. Statt zum Dinner anzukommen legten wir erst am nächsten Morgen um halb fünf Uhr an.

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Vorgestern machten wir unsere erste Patenthalse. Hier in Gibraltar haben wir erfahren, dass Mitsegler einen Touchdown machten (Schiff ging auf die Seite, richtete sich aber natürlich wieder auf). Das dritte Schiff im Bund musste bei 30 Knoten Wind einen Mann auf den Mast schicken um ihr Segel zu reffen. Die Atlantikküste hats offenbar in sich.

Doch gestern sahen wir plötzlich die Küste von Afrika und 3 Delfine begleiteten uns in die Strasse von Gibraltar. Im Hafen angelangt haben wir den Anker runtergelassen da wir die Mooring-Leinen nicht sahen. Unser Anker verhackte sich in die „Motherchain“ des Hafens und ein Taucher musste ihn heute morgen bergen. Das kostete Nerven und immerhin 65 Pfund – eine weitere Lernerfahrung! Jetzt wissen wir wie Motherchains aussehen. Jetzt aber gehen wir auf den Berg zu den Affen.

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3000 Seemeilen später

Vorgestern auf dem Weg nach Lissabon haben wir die 3000-Meilen Marke erreicht. Weil alles noch so schön und neu ist freuen wir uns wie Kinder über diese Meilensteine!

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Die Nacht zuvor waren wir in einem Fischerhafen – die Armut der Fischer ist sichtbar und belastend. Sie sollen die Meere nicht mehr so leer fischen, aber was sollen sie tun um ihre Familien zu ernähren? Derweil geniessen wir das Leben auf unserer Luxusyacht – ich gebe zum Trost übertriebene Trinkgelder. Aber wen tröstet das?

Fischer

Klaus ging sogar vor der Küste kurz baden. Das Wasser hatte 21.7°C – für Ladies aus Alabama ist das schlicht ungeeignet.

Badenixe Klaus