Ok, der Titel ist ein click bite, aber es stimmt!
Wir sind in Finnland angekommen.
Den ursprünglichen Plan, den Bottnischen Meerbusen bis ganz nach Norden zu segeln, haben wir inzwischen über Bord geworfen. Zum einen haben wir mit den Höga Kusten („Hohe Küsten“) wohl den landschaftlichen Höhepunkt bereits erlebt; weiter nördlich wird es wieder deutlich flacher – und auch einsamer und kälter. Zum anderen haben sich die erhofften Südwinde kurzerhand in den unbezahlten Urlaub verabschiedet. Von einer Ankerbucht zur nächsten nach Norden zu motoren, war einfach keine verlockende Alternative.
Stattdessen blicken wir auf eine traumhafte Reise zurück: Rund 90 % der Zeit segelten wir bei strahlendem Sonnenschein, tiefblauem Himmel und herrlichem Wind. Einziger kleiner Wermutstropfen: Bei einer Wassertemperatur von gerade einmal 14 °C war selbst der kühnste Gedanke an ein Bad schnell wieder verflogen.

Die Höga Kusten sind ein Paradies für Wanderer. Die zahlreichen Nationalparks laden zu ausgedehnten Tageswanderungen ein. Das ließen wir uns nicht entgehen.

Die Ankerbuchten sind traumhaft – meist liegen wir dort ganz allein. Und auch die „Marinas“ sind eher beschaulich: Oft bieten sie gerade einmal Platz für zwei oder drei Boote. Allerdings sind sie auf deutlich kleinere Schiffe als die Saphir ausgelegt. Mit ihrer Ausrüstung für eine Weltumsegelung wirkt sie hier manchmal fast ein wenig überdimensioniert.
Wenn das Anlegen mit Heckboje vorgeschrieben ist, wird es für uns allerdings schwierig. Die Bojen liegen meist so nah am Steg, dass der Platz zwischen Boje und Steg für uns zu kurz ist. Also bleibt nur das Anlegen längsseits – womit wir dann gleich drei oder vier Liegeplätze belegen. Zum Glück fällt das kaum ins Gewicht, denn oft sind wir ohnehin die einzigen Gäste in der kleinen Marina.

Gute Restaurants sucht man nördlich von Stockholm vergebens. Da biete sich dann schon mal an, die einheimischen Spezialitäten ausgiebig zu erkunden.
So kommt man zu einem Fisch, vor dem uns halb Schweden ausdrücklich gewarnt hat.

Es ist zwar ein heulender Wolf auf der Dose, aber der Inhalt ist tatsächlich Hering. Die Dose sieht aus wie eine Landmine. Es wird ausdrücklich gewarnt, dass sie immer gekühlt werden muss, denn der Hering und sein Jus neigen zu weiteren chemischen Reaktionen. Deshalb haben die Dosen auch Dehnungsringe.
Es wird empfohlen, und daran haben wir uns auch gehalten, die Dose unter Wasser zu öffnen, denn die mit hoher Energie austretende Flüssigkeit einschließlich des begleitenden fast unerträglichen Gestankes nach faulen Eiern, Essig und Verwesung ist nur so zu bändigen.
Es wird auch empfohlen, niemals die Dose auf dem Schiff zu öffnen, sondern in sicherem Abstand an Land. Auch das haben wir getan – und unsere Bootsnachbarn aus Schweden und der Schweiz zu einem fröhlichen Probieren eingeladen. Die Hälfte der Schweden hat sofort mit der Begründung Surströmming sein völlig ungenießbar abgesagt. Die andere Hälfte war begeistert. Die Schweizer wollten sich das Geschmackserlebnis nicht entgehen lassen.
In der Dose findet man 6-8 Heringe, denen nur der Kopf abgeschnitten wurde. Alles andere inklusive Gräten und Innereien wurde mit eingedost. Gegessen wird mit Creme fraîche, kleinen Zwiebelchen, Gürkchen und vor allem Pellkartoffeln. Also fast eine ganz normale Kartoffelmahlzeit.
Ich fand es schmeckt überraschend…ok, ein bisschen wie ein sehr, sehr würziger schweizer Käse. Trotzdem, einmal im Leben reicht.
Was der Hering allerdings spielend schafft: Die Stimmung am Tisch ist richtig gut. Das schafft kein Fischbrötchen.
Vor zwei Tagen hatten wir eine herrliche 18 Stunden Überfahrt nach Vaasa/Finland. Hier werden wir bis morgen warten bis sich der Nordsturm mit über 30 kn selbst in der sicheren Marina gelegt hat und wir weiter nach Süden segeln können

Gestern hat es in Strömen geregnet und heute scheint schon wieder die Sonne…und das bleibt so für die nächsten Tage.
Fast hätte ich es vergessen, die Ostsee als Todeszone. Ja, das ist tatsächlich korrekt es gibt hier keine Fische mehr, als nicht keine, sondern gar keine. Das Meer ist überdüngt, zu warm, leergefischt. Es gibt keine Fischerboote mehr. Und das wird so bleiben. Die Wissenschaft sagt, dass sich die Fischbestände nie wieder erholen werden.
Die Ostsee ist ein totes Paradies.























