Leben mit Eis

Montag, 1. August 2022

Wir sind vor 3 Tagen am Ostende des Prince Christian Sound angekommen. Auf seiner Westseite sind die Berge sehr hoch und steil in den Sund abfallend, nach Osten hin wird es eher „hügelig“. Immer wenn von der Seite ein Gletscher in den Sund kalbt gibt es eine längere Strecke mit großen und kleinen Eisbergen und einer Unmenge von kleinen Eisklumpen (20-100 cm Durchmesser).

Foto taken by a Danish military drone

Weil wir keinen Stahlrumpf haben müssen wir sehr vorsichtig navigieren und mit gekonnter Slalomfahrt möglichst wenig Kollisionen verursachen. Alles klappt gut und wir kommen ohne Probleme am Ostende bei einer ehemaligen Wetterstation an. Dort gibt es sogar ein Anlegepier, das allerdings bereits von einer 50-Fuß-Yacht besetzt ist. Wegen der Untiefen aus hartem Fels ist auch der Raum zum Manövrieren mehr als begrenzt. Wir fahren ganz vorsichtig rückwärts rein und legen uns im Päckchen dazu. Die andere Yacht ist vor wenigen Stunden aus Island angekommen und ist mit mit 7 netten jungen Menschen aus Frankreich besetzt. Sie helfen uns die Saphir an ihrem Schiff festzumachen. Die Frage ist, wie wir unser Buddy-Schiff „Kestrel“, mit dem wir seit 2 Wochen zusammen unterwegs sind auch noch ins Päckchen bekommen.

Mitten im Nirgendwo

Das allerdings bedeutet Millimeterarbeit und mit ihrem langen Kiel ohne Bugstrahlruder keine einfache Aufgabe. Doch der Captain der französischen Yacht hilft mit seinem 18 PS-Dinghi und schubst auch die Kestrel noch zu uns in Päckchen. Bei Ebbe können wir sehen wie nah die Felsen unter Wasser tatsächlich sind. Den Abend verbringen wir trotz der vielen Moskitos mit allen zusammen auf dem Vordeck der Saphir, geschützt mit Moskitohaarnetzen und ein paar Dosen Bier bzw. RumCola.

Doch sobald die Sonne untergeht verschwinden zwar die Moskitos, es wird aber auch bitter kalt und alle ziehen sich zurück auf ihr Schiff und werfen die Heizung an.

Am nächsten Tag fahren wir weiter, nun entlang der Ostküste nach Norden. Bis zu Mittag haben wir allerdings dichten Nebel ohne Wind. Zum Nachmittag zeigt sich blauer Himmel. Unsere Route führt uns in ein verwinkeltes Fjord. Von weitem sieht es aus als sei der Weg am Ende durch riesige Eisberge geblockt. Doch wir finden einen sehr schmalen Weg zwischen dem aufsitzenden Eis und Land und können uns ganz langsam hindurch schleichen. Von der Natur, die uns umgibt sind wir überwältigt. Glitzerndes weißes und türkises Eis haushoch keine zwei Meter neben uns und das bei stahlblauem Himmel!

Dazwischen müssen wir durch.

Bei der Suche nach einem Ankerplatz für die Nacht lernen wir erstmals kennen, was es bedeutet, wenn die Seekarten nicht mehr stimmen. Tiefenangaben sind eigentlich Makulatur und meist gibt es sie eh nicht mehr. Wir testen den Ankerplatz in dem wir darüber kreisen und hoffen, dass darunter keine Steine sind. In der Regel fällt der Anker bei 15-20 m. (In der Karibik konnten wir immer den Sandgrund bei 4 m sehen und ganz bequem ankern). Hier müssen wir auch noch 2,50 m Tide mit berücksichtigen und in der Regel auch noch beengte Platzverhältnisse mit sehr steinigen, steilabfallenden Ufern.

Flip-flops oder Daunenjacke

Seit unserer Ankunft in Grönland haben wir einen Teil der Südwestecke erkundet. Überraschend für uns, weil gänzlich unerwartet ist das schöne Sommerwetter. Wir hatten bisher fast immer Sonnenschein bei langen Tagen. Aber, wenn ein Wind geht, und das ist häufig der Fall, dann ist die Daunenjacke angesagt. Oder man sucht sich eine windgeschützte Ecke und ist in t-shirt und Flip-flops.

Man ist eigentlich immer falsch gekleidet. Auf unseren sehr ausgedehnten Wanderungen über die steilen Berge zwischen den Fjords kommt man ins Schwitzen. Lässt man sich zum Picknick mit atemraubenden Panoramen nieder, wird es schnell wieder jackenkalt.

Wir sind begeistert von einer weitgehend unberührten Landschaft. „Städte“ wie Qarqotoq oder Nanortalik, die ganzjährig bewohnt sind haben zwischen 100 und 500 Einwohnern. Im Moment liegen wir an einem kleinen Pier des Dorfes Appilattoq (50 Einwohner) im Päckchen mit der kanadischen Kestrel.

In den zwei Wochen sind wir in mehrere Fjords bis zu ihrem jeweiligen Ende vorgedrungen. Es ist erstaunlich: trotz der Eisberge ist das Wasser (10°) und die Umgebungstemperatur (10-16°) relativ warm. Die Nächte allerdings sind kalt. Das begrüßen wir, denn unser Kühlschrank hat kein Kühlmittel R134a mehr und wir mussten ihn abstellen. Wir lagern unser Gemüse und unsere Getränke unter dem Schiffsboden bzw. stellen den Kühlschrankinhalt über Nacht ins Cockpit.

Es gibt eine heiße Quelle mit einem Pool zum Planschen. Eine Stunde haben wir darin verbracht, denn warmes Wasser auf der Saphir ist ein rares Gut und das Duschen darf nur 3-5 Liter Wasser verbrauchen.

Wir sind in den Prince Christian Sound eingefahren (Wassertemperatur 5°) . Er sei der Beagle-Kanal des Nordens und schneidet sozusagen die Südspitze von Grönland ab. Das erspart uns die Umrundung des sehr stürmischen und berüchtigten Cape Farvels.

Vor uns liegen nun 500km unbewohnte Ostküste. Auch die bisher relativ genauen Seekarten sind passé. Es gibt noch ein paar Beschreibungen von Ankermöglichkeiten, aber auch die können schon mal 3 km von den Karten abweichen. Außerdem studieren wir weiterhin jeden Tag die Eiskarten. Bis ca. 150 km nach Nordosten scheint es frei von Treibeis zu sein, wenngleich wir mit einer großen Anzahl von Eisbergen und den etwas kleineren Crawler im Schlepptau rechnen müssen. Wir hoffen, dass wir möglichst weit nach Norden vorstoßen können. Das würde auch die Passage nach Reykjavik deutlich verkürzen.

Und das heißt, dass wir bis zu unserer Ankunft in Reykjavik kein Zugang zu Internet und Telefon haben werden.

Ikerasatsiaup Nuna

Montag 4. Juli 2022 Bang Havn.

Wir hatten großen Respekt vor der Passage von Südost-Labrador nach Südwest-Grönland. Wir schätzten 600 Nautische Meilen (knapp 1100 km) bzw. 100 Stunden. Die Entscheidung wann ein guter Zeitpunkt zum Sprung ist beschäftigte nicht nur uns, sondern die ganze Gruppe der 7 Segelschiffe die mehr oder weniger den gleichen Absprung- bzw. Ankunftsort ausgesucht hatten. Man sucht die beste Lücke zwischen zwei Tiefdruckgebieten. Gehen wir zu früh müssten wir mit noch starken Winden und vor allem Wellen zu Beginn rechnen, starten wir zu spät erwischt es uns vor der grönländischen Küste oder das nächste Tief rollt uns von hinten auf. Außerdem wäre es gut die Eisberggebiete vor den Küsten von Labrador und Grönland eher bei Tag zu passieren. Tag ist von vier bis 23 Uhr und dazwischen ist es so hell, dass man fast noch die Zeitung lesen könnte.

Nachtrag zum kaputten Generator in Battle Harbour

Wir entschieden uns für den Mittwoch, 29. Juni 2022 um 4.30 h zum Start ab Battle Harbour zusammen mit der schottischen Misty Mhor. Das Ziel hieß Paamiut. Tatsächlich hatten wir eine ziemlich ruhige Passage, zu Beginn am Tag durchaus mit T-Shirt Wetter. Unterwegs entschieden wir zusammen mit der Misty Mhor das etwas südlicher gelegene Cape Desolation anzusteuern. Am Sonntag, den 3. Juli um 9.30 Uhr fiel der Anker im Bang Havn, am Ende des in der Überschrift genannten Fjords, einer sehr einsamen Bucht, dafür aber mit einem grandiosen Panorama.

Pünktlich zum Nachmittag zog sich der Himmel ganz zu, der Wind wurde stärker und es fielen vereinzelte Schneeflocken. Am Abend und in der Nacht hatten wir Starkregen, der bis heute Nachmittag (Montag 4. Juli) anhält, Winde bis knapp 30 kn und es ist bitter kalt.

Welcome to Greenland!

Jetzt gibt es neue Herausforderungen:

Die eine ist die sehr ungewöhnliche Sprache. Es ist fast unmöglich sich mit den anderen per Sprechfunk über Ortsnamen entlang einer Route zu unterhalten. Außerdem kann man sich die Namen definitiv nicht merken. Im Sprechfunk sind wir dazu übergegangen anstatt der Orte die Seitenzahl und Kennnummer des Ortes in unseren Pilot-Büchern zu nennen. Beispiel: Eqalugaarsuit oder 172,17.

Die weitere Herausforderung ist natürlich immer noch das Wetter, jetzt aber insbesondere die Eissituation. Die Eisdichte wird auf einer Skala von 1-10 angegeben. Unser „Pleasure Craft“ kann noch „1“, ein starker Eisbrecher schafft nicht mehr als „8“. In Abhängigkeit von Wind und Strömung kann sich die Eissituation stündlich ändern. Am Ende der Fjords münden die Gletscher und kalben. Je nach Aktivität treiben dann kleine und große Eisberge den Fjord hinunter und können für uns das Befahren unmöglich machen. Auch beim Ankern möchte man nicht in den Wettbewerb mit Eisbergen kommen, die sich ziemlich penetrant mit einer Geschwindigkeit von 4 Meilen pro Tag ihren Weg bahnen.

Morgen wollen wir weiter. Doch heute Abend wissen wir noch nicht welches Ziel wir tatsächlich ansteuern können, Narssaq oder Qaqortoq, oder ob wir schon früher einen guten Ankerplatz ansteuern müssen. Was wir allerdings wissen, ist dass es den ganzen Tag Regen gibt. Dafür ist der Wind dann runter auf 5-8 kn. Die ganze Strecke dauert 10-12 Stunden. Wir werden uns warm anziehen müssen.

7.Juli 2022

Wir sind bis Narsaq durchgekommen, trotz der 3er-Eissituation. Weil das Wasser spiegelglatt war konnten wir auch die teils sehr durchsichtigen Eisschollen erkennen.

Narsaq. Wir liegen im 4. Päckchen. Gut, dass die Schiffe dort nicht häufig bewegt werden.

Der Kleine Hafen ist rammelvoll. Wir liegen in vierter Reihe im Päckchen. Jetzt ist erstmal Landerkundung (Supermarkt, Bank, Wanderwege) angesagt.

Nozzle, Netz und Wetter

Zwischenzeitlich sind wir an der Südostecke von Labrador angekommen. Das letzte Stück nach Norden an der Westseite bis Flower‘s Cove Harbour war Kernerarbeit. Dafür war die relativ kurze Querung der allseits gefürchteten Strait of Belle Isle ganz einfach: Null Wind, glatt gebügelte See und unter Motor.

Unsere Route in den letzten Tagen

Unser erster Labrador-Landgang war in der Red Bay, im 18. und 19. Jhdt einer der größten Walfischfangzentren Kanadas, interessanter Weise unter baskischer Führung. Aber schon die nächste Etappe nach Mary‘s Harbour hatte es in sich. Wir hatten Winde über 30kn und die ersten wunderschönen Eisberge – zunächst im dichten Nebel – doch zum Nachmittag im hellen Sonnenschein.

Es gibt schon lange keine Marinas mehr für Segelschiffe. Die Häfen sind reine Fischerhäfen, meist voll mit Fischtrawler. Man legt an den „Public Piers“ an, die in sehr unterschiedlichen Zuständen sind.

Fischerhafen Flower‘s Cove

Ich schreibe den Post an einem sehr gemütlichen Ort: Battle Harbour, das Zentrum für getrockneten Kabeljau Ende des 19. Jhdt. Er wurde von freiwilligen Helfern zu einem tollen Open Air Museum aufgebaut. Von Juni bis September gibt es ein paar Bewohner und im Rest des Jahres sind die Fenster und Türen mit Brettern zugenagelt. Im letzten Winter versuchten die Eisbären in die Gebäude zu kommen.

Das Loft in Battle Harbour, urgemütlich

Wir sind hier, weil es Internet gibt und wir damit die Wettervorhersagen für unsere anspruchsvolle Passage nach Grönland erhalten können. Heute ist Samstag und eben kam der Chef und sagte, dass sein 75 PS Dieselgenerator ausgestiegen ist und es bis Montag (oder länger) keinen Strom gibt – also auch kein Internet.

Wir sind am Rande der dauerhaft bewohnten Welt angekommen. Vieles was für uns selbstverständlich ist wird hier zum Kümmernis. Wir haben in verschiedenen Häfen nach Diesel gefragt um sicherzustellen, dass wir die Passage mit vollen Tanks durchführen können. Es gibt relativ selten die Möglichkeit überhaupt Diesel zu beziehen, oft müsste man es in Kanistern von einer Tankstelle holen oder es wird mit einem kleinen Lastwagen direkt an das Pier geliefert. Das ist gut für die Fischertrawler, denn deren Öffnung ist groß genug für die große Nozzle (Zapfpistole). Für die Saphir mit ihrer kleinen Öffnung geht das aber nicht. In Mary’s Harbour hatten wir Glück. Mit zwei aufgeschraubten Adaptern und etwas Geduld konnten wir die Saphir nun randvoll betanken. Das heißt, im schlimmsten Fall müsste der Diesel sogar von hier nach Grönland reichen. Aber darauf wollen wir es nicht ankommen lassen.

Das ist auch der Grund warum wir nun unbedingt auf das Internet angewiesen sind. Das Wetter und die Vorhersagen sind kompliziert, die Tiefs ziehen hier wie Perlen an der Kette etwas nördlich von uns durch. Das führt schnell zu Sturmwinden und sehr hohen Wellen.

Wir sind 5 Schiffe die nun auf ein Wetterfenster warten. Jedes Gespräch dreht sich immer wieder um die Wettersituation. Doch die Schiffe sind nicht immer am gleichen Ort. Wir tauschen uns über eine WhatsApp Gruppe aus. Aber auch das wird nun bis Montag nicht mehr möglich sein.

Wir haben ein SAT-Iridium-Telefon an Bord. Mit ihm können wir Emails empfangen und einige Wetterdaten herunterladen. Wir können auch mit Wetterprofis kommunizieren, doch von ihrer ersten Empfehlung waren wir nicht begeistert. Und weiter als 3 Tage in die Zukunft zu schauen ist hier wie Lesen im Kaffeesatz. Wir bleiben dran!

Ohne Sonne, viel Wind = sehr kalt

Noch eine kleine Seemannsgeschichte, die wir vor kurzem gehört haben?

Mitten auf dem Atlantik auf dem Weg in die Karibik. Der Captain muss mal wieder hoch auf den Mast weil sich irgendetwas verhakt hat. Seine Frau nimmt die Handwinsch, denn bekanntlich passieren mit den eWinschen schlimme Unfälle. Der Captain wird sicher bis zum Masttop hochgekurbelt, dort macht er sich zusätzlich mit einer Sicherheitsschlinge fest um auf keinen Fall abzustürzen. Die Reparatur geht gut voran, doch dann bekommt er einen Herzinfarkt und stirbt. Seine Frau hat keine Möglichkeit ihn wieder herunter zu holen. Zehn Tage später läuft sie mit ihrem toten Mann im Masttop in einem karibischen Hafen ein.

PS: Ganz schnell gab es einen mobilen Ersatzgenerator, daher haben wir wieder Internet.

Erholung und Seemannsgarn

Wenn sich die Crews von mehreren Schiffen treffen werden gerne die unglaublichsten Geschichten erzählt. In St. Peter‘s Bay Marina gleich hinter der Schleuse zum Eingang in die Bras d‘Or Seen gab es eine solche Zusammenkunft. Anlass war die Geburt von Tino, meinem siebten Enkel. Wir trafen uns alle auf der Saphir: die Schotten von der „Misty Mhore“ und die Amerikaner von der „Northern Brees“.

Auf das Wohl von Tino

Die erste Geschichte ging so: Der Captain musste auf den Mast hoch, denn ein Fall hatte sich verdreht. Seine Frau wollte ihn nicht von Hand hoch winschen, also nutzten sie die Elektrowinsch. Fast oben ruft der Captain „Stopp“, doch die Winsch ließ sich nicht stoppen. Die Frau versuchte das Seil loszuwerfen brachte aber ganz unglücklich ihren Arm zwischen Winsch und Seil. Da herrschen unglaubliche Zugkräfte und ihr Arm wurde eingeklemmt. Zudem hatte sie kein Messer griffbereit um das Seil zu kappen.Derweil zog es den Captain oben im Mast immer näher zum Eintrittspunkt des Falles bis es ihn mitsamt seinem Bootsmannstuhl ziemlich einquetschte. Schließlich kam die Winsch wegen Überlastung alleine zum Stoppen. Die Frau aber hatte ihren Arm so eingeklemmt, dass er am Ende amputiert werden musste. Der Captain oben am Mast musste lange Zeit warten bis er wieder befreit werden konnte. Ihm sei aber nichts weiter passiert.

Unsere bisherigen Etappen in Nova Scotia

Wir sind nun fast die ganze Südost-Küste von Nova Scotia entlang gesegelt. Jede Etappe war anspruchsvoll. Von Shelburne nach Lunenburg hatten wir den Blue Water Runner gesetzt, ein Leichtwindsegel, das einen vor dem Wind besonders schnell macht. Das ist gelungen. Der Wind drehte aber auf 20 Knoten und wir hatten richtige Schwierigkeiten das Ding wieder zu bergen. Jedes Mal wenn wir es fast geschafft hatten blies sich das Segel wieder zu seiner imposanten Größe auf. Von Lunenburg (einer schwäbischen Pietistengründung) nach Halifax hatten wir Wind bis 30 kn aus Südost, also große Wellen und kleine Segel. Leider haben wir irgendwo einen Lobsterpod eingefangen und seine Leine schlang sich um unseren Hydrogenerator. Der Propeller verlor einen Flügel und die Halterung wurde total verbogen. Außerdem leckt jetzt Öl aus der Motorachse. Das Ding müssen wir zur Reparatur nach Frankreich schicken. Den gleichen Kampf gegen den Wind hatten wir auch auf den beiden Etappen von Halifax nach St. Peter‘s. Gut, dass hier der Wind aus Nordwest über Land kam und es fast keine Welle gab. Aber selbst im Reff II legte sich die Saphir noch weit über 20° auf die Seite, die See kam höher als zum Süllbord. Das Abendessen fiel aus. Aber nach der Ankunft nachts um 2 Uhr in der Ankerbucht genossen wir Rotwein mit Lasagne.

Nun sind wir zur Erholung auf einem inländischen Fjord mit weit verzweigten wunderschönen Ankerbuchten unterwegs. Wenig Wind und gar keiner Welle – einfach herrlich nach den Ozeaneskapaden: Lake Bras d‘ Or, eine französische Verballhornung von Labrador.

Und zum Schluss noch die zweite Geschichte: Ein Paar vor Anker, der Skipper ein Profischwimmer. Sie wollen den Anker aufholen, aber der steckt fest. Er also tapfer ins Wasser und die 6 Meter hinunter getaucht um den Anker freizulegen. Sie steht oben am Bug und beobachtet das Ganze. Der Skipper hebt den Anker hoch und versinkt dabei in dem Schlicker. Er kommt nicht mehr hoch und die Frau muss oben mit ansehen wie er ertrinkt.

Also, die Geschichten sind unglaublich, ab möglich wären sie auch gewesen.

Jeder entscheide sich wie er will.

Nacht und Nebel

Man sieht einfach gar nichts und segelt trotzdem so vor sich hin. Wie fühlt sich das an?

Wir haben Portland/Maine am späten Vormittag verlassen. Herrliches Wetter und auch der Wind wäre von seiner Stärke her ganz gut, doch er ist etwas südöstlicher als vorhergesagt. Für uns ist das eher nicht so gut. Mit der Strömung, die in die Bay of Fundy, der großen Bucht nordwestlich von Nova Scotia mit den weltweit höchsten Tidenunterschieden (13m) hineinstrebt, werden wir eher an der Küste von Maine entlang getrieben als Richtung Osten, hin zum Cape Sable, der südwestlichsten Ecke von Nova Scotia.

Geplante Strecke

Gegen Abend dreht der Wind für uns günstiger, dafür allerdings ist er nicht so kräftig wie erhofft. Die Nacht ist dunkel, man sieht die Hand vor den Augen nicht, später kommt noch Nebel hinzu und außerdem wird es ziemlich kalt. Unser Cockpitzelt spendet zumindest guten Windschutz.

Einzig und allein unsere elektronische Seekarte, das Radar und das Schiffsortungsgerät (AIS) sind unsere Augen. Aber das AIS wird von vielen Fischern gemieden. Meist sind sie auch nicht beleuchtet, aber das ist egal, denn man würde sie trotzdem nicht sehen.

In der Situation ist immer einer auf Wache, sitzt im Cockpit und schaut dauernd auf den Bildschirm. Alle 20-30 Minuten stellt man am Radar die Distanzringe neu ein, damit man andere Schiffe früh erkennt und man setzt einen Marker an der Stelle wo sie sich gerade befinden. Die Fischer nerven einen dann besonders, denn sie kurven völlig unberechenbar (für uns!) kreuz und quer durch den Ozean.

Am Cape Sable ist eine größere Flotte von Fischern unterwegs, ca 30 Schiffe die ihre Netze auslegen. Wir müssen jetzt doppelt aufpassen, denn es ist nicht zu spaßen wenn man in eines der Netze fährt. Die Fangleinen können sich leicht im Ruder oder in der Motorschraube verfangen und man wird im schlimmsten Fall manövrierunfähig.

Wir sind froh, dass der Wind nachgelassen hat und wir unter Motor fahren. Wir müssen innerhalb eines Augenblicks den Netzbojen ausweichen können. Zum Teil ist es wie Slalomfahren, wobei man nicht weiß, wann der nächste Stock kommt.

Aber nach der Umrundung gibt es wieder freie Fahrt. Die Nacht war sehr anstrengend und wir verzichten auf unser Ziel Halifax und segeln in die herrliche Marina von Shelburne. Kaum sind wir im Fjord, lichtet sich mit jeder Minute der dichte Nebel, man erkennt Land und Bäume und überhaupt die Schönheit des Landes hier. Nach 50 Stunden, zwei Dunkel-Nächten und dichtem Nebel am Tag: Blauer Himmel und Sonnenschein in den frühen Morgenstunden.

Wechsel der Gastlandflagge: Wir sind in Kanada

In der Marina liegt bereits die norwegische Albicilla III, die auch auf dem Weg nach Grönland ist. Sie haben sich unterwegs gleich zweimal Fischerleinen eingefangen. Mit dem eigenen starken Beiboot schleppten sie sich in die Shelburne Marina. Gerade bei unserem Einlaufen stieg ein Profitaucher aus dem Labrador-kalten Wasser. So gesehen haben wir bis dahin Glück gehabt. Allerdings sollte es ganz so wohl gesonnen nicht bleiben.

Unterwegs in Nacht und Nebel ist man mit allen Sinnen auf der Hut, aber gleichzeitig ist es so ein Gefühl, sich dem Schicksal zu ergeben. Vielleicht so, wie man sich im Flieger fühlt oder im Städtischen Bus, wenn man nicht selbst am Steuer ist.

Fast endlich

Seit dem ersten Mai sind wir wieder auf bzw. bei der Saphir. Und trotz aller Vorbereitungen sind wir immer noch nicht losgesegelt nach Kanada. Alles war von langer Hand geplant, alle Reparaturen, Services und Neuinstallationen hatten wir im Oktober letzten Jahres bis ins Detail mit der Werft „South Port Marine“ in Portland/Maine abgestimmt und in Auftrag gegeben. Alles sollte zum Mitte April erledigt sein, sodass nach unserer Ankunft nur noch das Schiff aus der Halle zu transportieren war, Antifouling zu streichen und den Mast zu stellen.

Noch Mitte Januar hatte ich in einer Email darum gebeten zeitig mit den Arbeiten zu beginnen und vor allem Teile rechtzeitig zu bestellen. Corona und der Shut down in China, später auch noch der Krieg in der Ukraine hatten auch Einfluss auf die Lieferketten für Teile die die Seeschifffahrt betreffen. Die Rückmeldung war: alles läuft nach Zeitplan.

Die Werft aber hatte tatsächlich Personalprobleme, Techniker hatten gekündigt, neues Personal war schwierig zu bekommen. Daher war leider vieles liegengeblieben und wegen des Personalmangels konnten die Arbeiten auch nach unserer Ankunft nicht so schnell durchgeführt werden. Außerdem war das Projektmanagement völlig chaotisch. Man konnte sich auf nichts verlassen. Nicht mal kurzfristige Zeitzusagen wurden eingehalten. Fragte man vor dem Lunch ob jemand kommt, dann hieß es gleich nach der Mittagspause kommt jemand. Derjenige kam dann doch nicht oder erst gegen 16 Uhr. Um 17 Uhr ist Feierabend.

Wollten wir ursprünglich 3 Nächte im Hotel verbringen sind nun 9 Nächte daraus geworden. Übrigens haben die Hotels hier einen tollen Einspartrick gefunden. Corona-bedingt gibt es keinen Roomservice mehr, also macht man sein Bett selbst und stellt sicher, dass genügend Klopapier im Zimmer ist. Die Raten sind gleich teuer(!) geblieben, das Servicepersonal aber gekürzt und ohne Lohn.

Dann endlich konnten wir die Saphir ins Wasser bringen. Aber auch die Restarbeiten zogen sich noch in die Länge – bis heute am 18. Mai.

Nun liegen wir am Steg und die Saphir ist hoffentlich bestens auf ihre Reise in den kalten Norden vorbereitet. Wir haben ein neues Kuttersegel auf einer Furling, das wir bei Sturm aus dem Cockpit heraus bedienen können, ein neues 400W Solarpanel, einen neuen Gori-Propeller mit einem Rope cutter (verhindert, dass sich Leinen im Propeller verfangen und diesen funktionsuntüchtig machen), zwei neue Servicebatterien und eine neue Radaranlage (die bisherige war nicht mehr zu reparieren, alle Elektroanschlüsse waren korrodiert. Außerdem bekam die Hauptmaschine noch einen ganz großen Service: Reinigung des Wärmetauschers und einen neuen Turbo.

Letzten Sonntag waren wir bei perfektem Wetter draußen und haben alle Segel ausprobiert.

Die Saphir wurde am 5. Mai acht Jahre alt und wir sind bald 30.000 Meilen (x1.8=km) mit ihr gesegelt.

Am Freitag scheinen die Wind günstig und wir können hoffentlich, endlich!, lossegeln. Zunächst nach Lunenburg und Halifax in Nova Scotia und dann immer weiter nach Norden.

Übrigens I: Als ich neulich im Baumarkt war um unsere Gasflaschen füllen zu lassen kam ich mit der Kassiererin ins Gespräch über die hohen Preise für Gas (Füllung von 3 Flaschen für 10 Dollar) und Benzin. Sie sagte, dass zur Zeit wahnsinnig viele Akkurasenmäher verkauft werden, weil die Gartenbesitzer nicht so viel Geld für ihre Benzinmäher ausgeben können.

Übrigens II: Viele Motorjachtbesitzer bewegen ihre Jachten nur noch ungern. Einer hier hatte Benzinkosten für die Strecke Miami – Portland über 65.000 Dollar. Da ist Segeln doch noch ganz preiswert….

Sommelijeh in Natalie‘s

Auswärts essen in den USA sorgt selten für größere Überraschungen. Die Szene ist klar strukturiert. Unten ist Fast Food, in der Mitte kommen Burger Restaurants, also das gleiche wie in Fast Food Läden, aber mit Teller und Besteck und dafür deutlich teurer. Sie bieten meist noch Nudelgerichte an, die vermeintlich italienische Vorbilder haben an die sie sich leider geschmacklich nicht mehr erinnern können. Dazu gibt es aber noch regionale Besonderheiten auf der Karte. Hier in Maine sind es die berühmten Lobster Rolls. Die bestehen aus klein geschnittenem Lobster und einem Brötchen, das wir bereits von den Hot Dogs kennen. Die Brötchen sind ein Newton’sches Medium: Egal wie man sie drückt und knetet, sie gehen immer in ihre Ausgangsform zurück. Lobster Rolls sind eine Kombination aus teurem Lobsterfleisch mit diesem Medium.

In der Top-Gruppe gibt es meist nichts, es sei denn man ist in New York unterwegs.

Doch, wir hatten Glück. Im schönen Camden gibt es, neben den oben beschriebenen tatsächlich ein Restaurant in herrlicher Lage über der Bucht und mit weißen Tischdecken: Natalie‘s.

Es ist gut besucht. Jeden Abend gibt es drei Zeiten zu denen man einen Tisch reservieren kann. Und man kann sicher sein, dass man für ein Viergänge-Menü (plus Desert) niemals länger als zwei Stunden braucht. Planungssicherheit!

Man wird von der Empfangsdame an seinen Platz begleitet, sie übergibt einem die Menükarten und dann tauchen nacheinander der Kellner, die Kellnerin, der Restaurantmanager und der Sommelier auf. Alle stellen sich mit ihrem Vornamen vor und freuen sich unsäglich, dass man den Weg ins Restaurant gefunden hat und wie schön unser Besuch sei.

Wir entscheiden uns für das Lobster-Menü. Dazu kann man „Wine Pairing“ und „Premium Wine Pairing“ wählen. Klar, wenn man schon mal so eine Perle außerhalb von New York findet, muss es Premium sein. Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein.

Sophia ( „Good evening, I am Sophia, your Sommelijeh for this evening“) kredenzt den ersten Wein. Sie erzählt eine kurze Geschichte wie er schmeckt, was das Besondere ist und woher er kommt. Man kommt nicht umhin zu denken, dass sie gerade eben erst den Vierzeiler zum Wein auswendig gelernt hat, bevor sie ihn am Tisch ausschenkte. Sie sagt auch, mit einem langen Blick auf das Etikett, dass der Wein aus dem französischen Jura stammt, einem berühmten Weinanbaugebiet nördlich von Lyon. OK, wir geben ihr noch eine kurze Nachhilfe in französischer Geographie und freuen uns schon auf den nächsten Gang.

Später gibt es noch einen deutschen Weißwein aus dem Elsass (Hugel & Fils). Nun wäre eigentlich Nachhilfe in deutsch-französischer Geschichte notwendig um zu erklären, dass zwischenzeitlich die Grenze an den Rhein verlegt wurde.

Dann endlich ein Rotwein aus kalifornischer Provenienz -heimisches Terrain sozusagen. Aber auch der hat es in sich. Es ist ein Rafael et fils, ein von allen Seiten gelobter Rotwein. Das Weingut wird wird als kalifornisches Gut mit europäischen Wurzeln eingeführt. Das kann man machen, aber die Franzosen wären damit natürlich nicht ganz glücklich. Zumal Sophia den Namen wie Rafael and Fijj ausspricht. Damit sind dann auch die Töchter Rafaels eingeschlossen. Gut, in Zeiten des Genderings… Sie wird etwas unsicher und beim nächsten Mal sagt sie Rafael and files, also Rafael und seine Akten.

Und so bekommt man zu einem wirklich köstlichen Essen mit hervorragenden Weinen in einem tollen Restaurant in bester Lage noch ein kleinen Einblick in die Welt der amerikanischen Sommeliers. Sie haben es wahrlich nicht leicht. Und man kann verstehen, wenn sich die Franzosen nicht nur über amerikanisch-australische Atom-U-Boot-Deals echauffieren.

Wir sind inzwischen schon ziemlich nah an Portland/Maine, unserem Winterlager. Das Wetter hat umgeschlagen und wir liegen für drei Tage im Christmas Cove an einer Boje. Die Saison ist definitiv vorbei. Es gibt kaum mehr Schiffe die nicht den Einheimischen gehören. Montag scheint die Sonne wieder dann geht es ein paar Meilen weiter. Der Herbst in Maine ist wunderschön.

I am not calling from prison

Unser kurzer Segeltrip nach Yarmouth/Kanada lässt sich in vier Phasen einteilen:

Die wichtige Vorbereitungsphase

Seit Beginn der diesjährigen Segelsaison träumen wir von einem Törn nach Kanada. Allein die Corona-bedingten Einreisebestimmungen machten uns die Planung kompliziert. Früh war klar, dass zwar US-Amerikaner mit Impfung und PCR-Test ab August einreisen dürfen, aber galt das auch für den deutschen Ehemann einer Amerikanerin? Wir suchten verzweifelt nach Auskunft, zuerst bei der Canadian Border Control. Allerdings waren die im Internet angegebenen Telefonnummer irgendwie nie besetzt oder immer besetzt. Dann versuchten wir direkt eine kanadische Grenzstation an Land zu erreichen – vergeblich. Eine weitere Runde waren eine Email an die kanadische Botschaft in Berlin mit der Antwort, dass dafür die österreichische Botschaft in Wien zuständig sei. Diese wiederum antwortete mit einem Link auf eine Webseite die wir schon längst gefunden hatten, die aber keine Antwort auf unsere Fragen lieferte. Ok, dann fragen wir die US-Amerikaner, die sich allerdings nur für die Einreise nach USA zuständig erklärten. Am 1. September dann die offizielle Entscheidung, dass ab dem 7. September für alle einreisen nach Kanada möglich sei, vorausgesetzt man ist 2 mal geimpft und kann einen höchsten 72 Stunden alten PCR-Test nachweisen.

Die wichtigen Voraussetzungen schaffen

In den USA wurden sehr viele Testzentren mangels Nachfrage wieder geschlossen. Das nächste Zentrum zu unserem Ankerplatz in Bar Harbor lag im 35 km entfernten Ellsworth. Der Versuch dorthin mit einem Bus zu reisen war unmöglich. Samstag und Sonntag fahren keine ÖFFIS. Also wir beißen in den sauren Apfel und wollen ein Taxi nehmen. Auch das geht nicht, denn am Wochenende fährt nur eines von fünf und das ist komplett ausgebucht. Am Ende nehmen wir unsere Fahrräder und genießen eine in weiten Teilen herrliche Fahrt über Land, nur entlang der großen Straßen herrscht viel Verkehr. Die großen F150er Ford Pick-ups sind bedrohlich. Aber alles klappt tadellos und wir bekommen unseren Test. Sicherheitshalber rufen wir noch bei der US Border Control an um uns zu vergewissern, dass unsere Ausreise ok ist. Von Ihnen kommt grünes LIcht.

Die wichtige Ankunft im kanadischen Yarmouth

Am Nachmittag des 7. September 2021 kommen wir in Yarmouth/Nova Scotia an. Wunderschöner Fischerhafen mit Platz am Schwimmsteg für 3 Yachten. Die Saison ist längst vorüber (eigentlich gab es gar keine wegen der Reisebeschränkungen), es gibt also Platz. Dann gehen wir zum Büro der Einreisebehörde, aber es ist niemand da. An der Scheibe klebt ein Zettel mit einer Nummer, die man anrufen kann – Anrufbeantworter. Als wir zum Schiff zurückkommen werden wir bereits von zwei Uniformierten empfangen. Erst die Belehrung: wir hätten das Schiff nicht verlassen dürfen. Dann der Hinweis, dass wir eine Telefonnummer anrufen müssen um einen 10-stelligen Code zu erfahren. Dann könnten sie die Formalitäten erledigen. Ok! Nachdem sie weg waren rufen wir die Nummer an (eine Nummer für alle nicht-US-Amerikanischen Einreisenden für ganz Kanada!). Eine Stunde lang liegt das Telefon auf dem Tisch und es erklingt die immer gleiche Bitte um Geduld. Dann kommen unsere beiden Grenzpolizisten wieder. Gemeinsam warten wir eine weitere Stunde am Telefon, wir unterhalten uns sehr nett, aber passieren tut nix. Am Ende reisen wir als „Commercial Ship“ ein. Dazu braucht es keinen Code. Wir versprechen ihnen in die Hand keinen Handel zu betreiben.

Die wichtige „you are in a big mess“-Ankunft in den USA

Nach der Rückkunft in Southwest Harbor/Maine am 15. September tippen wir alle Daten in die ROAM-App der US Border Control ein und bekommen nach fast 30 Stunden immer noch ein „approval pending“. Also anrufen. Die Jungs sind stink sauer. Internationale Einreisen in die USA sind nur aus bestimmten Ländern (z.B. Costa Rica) erlaubt, Kanada gehört nicht dazu. Nach vielem Hin und Her wird klar, dass nicht Katrin das Problem ist (Amerikaner dürfen immer nach Hause) sondern ich. Nach gut eineinhalb Stunden Telefonat und der Mail an den Officer mit einem Foto unserer Heiratsurkunde bekommen wir endlich unser ersehntes Approval. Zwischen drin haben wir schon befürchtet, dass ich sofort ausgewiesen werde (illegal immigrant) oder erst mal ins Gefängnis komme oder 10.000 $ Strafe zahlen muss.

Und wie war Kanada?

Toll!

Wer mehr darüber erfahren will sollte uns auf FaceBook (Saphir Sailing) oder Instagram (saphirsailing) folgen.

Shitstorm und andere glückliche Malaisen

Wir sitzen ganz entspannt beim Sundowner zusammen mit einem spanischen Seglerpaar im Cockpit der Saphir und tauschen die verrücktesten Segelabenteuer aus. Die Stimmung ist gut und es wird viel gelacht. Das Cockpitzelt (=Kuchenbude) ist zum Schutz gegen den stärkeren Wind aufgeschlagen. Es ist sehr gemütlich so geschützt mit guten Weinen und kleinen Häppchen zusammenzusitzen bis der Sonnenuntergang längst in den späten Abend übergegangen ist. Von Zeit zu Zeit klingt es so, als ob jemand ein großes Glas Wasser auf die Zeltplane schleudert.

Honi soit qui mal y pense!

Am nächsten Morgen dann der erste Blick aus dem Cockpit: überall Vogelscheiße! Grauenhaft, graue, grüne, weißliche Schlieren, kleine und große Haufen, auf dem Bimini (=Sonnensegel), auf dem Teakdeck und am ekelhaftesten auch gegen unsere Kajütfenster. Es stinkt gottserbärmlich.

Die erste große Reinigung mit Eimer, Bürste und Salzwasser (vor dem Frühstück!) bringt nur mäßigen Erfolg. Die Flecken und vor allem der Gestank bleiben. Wollten wir ursprünglich am Tag zu einem neuen Ankerplatz segeln, geben wir das Vorhaben auf und laufen stattdessen in die Dysart-Marina in Southwest Harbor ein. Den ganzen Nachmittag sind wir mit Putzen beschäftigt. Am Abend ist die Welt wieder in Ordnung.

Die Übeltäter, die diesen Pearl Harbor Angriff auf die Saphir geflogen haben entstammen der Gattung Phalacrocorax carbo, zu deutsch Kormoran – eigentlich ganz possierliche ungefähr Enten große Vögel. Die große Frage lautet: War das Absicht, so zielgenau und strategisch ausgewählt die Saphir zu bombardieren? Im Internet wird man nicht wirklich fündig. Wissenschaftlich belegt ist nur eine Studie, die besagt, dass Vögel bevorzugt auf rote Autos sche…n. Der einzig rote Fleck ist unsere Schweizer Flagge 🇨🇭, aber die wurde nicht getroffen. Sie hängt weit oben an unserem Achterstag. Und außerdem waren die Einschläge überall verteilt. Eine andere Theorie besagt, dass die Vögel im Flug unbedingt energieaufwendiges Gewicht sparen müssen und sich deshalb erleichtern. Meine Theorie ist, dass die Trefferwahrscheinlichkeit mit dem Quadrat der Entfernung von ihren Sammelplätzen abnimmt. So gesehen hätten wir vielleicht doch auf die Mooringboje verzichten sollen, die relativ nahe bei dem Schwimmkörper lag, auf dem sich jeden Abend eine erkleckliche Anzahl dieser stolzen Vögel versammelt hat. Das nächste Mal werden wir darauf achten.

Doch die Vögel haben uns auch zu einem insgesamt 3-tägigen Marinaaufenthalt verholfen. Die Reste des Hurrikans Ida haben uns zwischenzeitlich erreicht. Nachdem New York mehr Regen erhalten hat als jemals zuvor gemessen wurde gab es die Hoffnung, dass es deutlich weniger wird, wenn der Sturm bis zu uns weiter gezogen ist. Davon ist nichts zu merken. Seit Mitternacht gießt es in Strömen und wird wohl nochmals solange anhalten. Dazu wehen um die 20 Knoten Wind. Aber die Saphir liegt sicher vertäut am Pier und wir genießen die Gemütlichkeit bei laufender Heizung unter Deck. So gesehen sind wir den Kormoranen dankbar.

Ansonsten gibt es nicht viel Aufregendes. Außer, dass die Druckleitung unseres Wassermachers geplatzt ist und wir nun auf einen Ersatzschlauch aus Trinidad warten und, dass wir immer noch an einem Kurztrip nach Kanada herum planen. Nun soll tatsächlich die Grenze am 7. September aufgemacht werden. Man braucht neben dem Impfnachweis noch einen Test für 175 $. Wir würden schon gerne mal reinschnuppern, denn immerhin soll es in der nächsten Saison ja genau da hin gehen.