Rund Kap Hatteras Bugspriet gebrochen

Zwei Nächte haben wir gebraucht um vom Kap Lookout/Beaufort nach Deltaville/Chesapeake Bay zu segeln.

Die Windvorhersagen waren sehr gut. Kap Hatteras ist berühmt als Schiffsfriedhof des Atlantiks. Dort trifft der warme Golfstrom aus dem Süden auf den kalten Labradorstrom aus dem Norden. Das führt, insbesondere bei kräftigem Wind aus Norden sehr schnell zu bedrohlichen Verhältnissen. Vorhergesagt waren SW-Winde mit 10-15 Knoten – herrliches Segelwetter und beste Verhältnisse für die Rundung.

Tatsächlich waren die Winde anfangs eher schwach und wir mussten viel motoren. Doch als wir rum waren und nördliche Richtung segelten hatten wir schönen Wind aus Süden – und überhaupt keine Gewitter. Gerade richtig um unseren Blue Water Runner zu setzen.

Gesagt getan.

Herrlich wie das Leichtwindsegel die Saphir beschleunigte, wir waren sofort nahe unserer Rumpfgeschwindigkeit. Doch mein Kontrollgang änderte die Einschätzung der Situation schlagartig. Unser komplizierter Bugspriet, an dem das untere Ende des Segels befestigt ist war fast durchgebrochen und stand nach oben weg. Der Verlust des Segels hing am seidenen Faden. Schnell rollten wir das Segel ein. Allerdings nur noch zu etwa 3/4, dann knallte auch der letzte Rest des Edelstahlspriets durch und das Ende flog frei. Zu zweit kämpften wir mit aller Kraft, konnten wir es gerade noch einfangen und durch das vordere Luk in Sicherheit bringen.

Tatsächlich hat der Stahlschweißer in Ft. Lauderdale gepfuscht und den Spriet nicht korrekt gebogen. Wir hatten Glück, denn der Bruch hätte weitaus dramatischere Folgen gehabt wenn der Wind nur 2-3 Knoten kräftiger gewesen wäre. Jetzt sind (mal wieder 😢) Reparaturen geplant. Leider hat unser nagelneues Segel auch zwei Risse abbekommen.

Ansonsten genießen wir das herrliche Wetter und die nun kühlen Nächte in Deltaville – eine neue Erfahrung nach den tropischen Verhältnissen, die uns seit Trinidad begleiten.

Aber mit Baden ist wohl Schluss für die nächsten Monate. Hier ist es zwar noch warm, aber das Wasser sieht schrecklich grün aus und so gar nicht einladend.

Gute Menschen – schlechtes Wetter

Letzten Samstag, 22. Juni um 1.30 Uhr in der Nacht sind wir in Beaufort/North Carolina angekommen.

Ein- und Ausreisen aus den Ländern wird jetzt für einige Monate der Vergangenheit angehören. Bis fast Ende des Jahres wird die Saphir die Ostküste der USA besegeln.

Ausreisen aus den Bahamas geht ganz leicht: man segelt einfach weiter und schickt, sobald man im neuen Land angekommen ist einfach per Post die Papiere an das bahamische Zoll- und Einreiseministerium. Gut, dass wir das nicht gemacht haben!

Als wir Freitagnachmittags in Ft. Lauderdale ankamen sind wir sofort per Taxi (50$) zum Zoll und zur Immigrationbehörde gefahren. Die Amerikaner werden sehr pampig, wenn man das nicht macht. Dort geht die Unterhaltung so:

„Did you already register upon your arrival?“

„No, we just arrived and want to register here and now“

„You cannot register here. First you have to call this number: 0800…“

„We cannot call this number because we have non-US SIM Cards“

„Ok, you can register via the following app (NAME)“

„We have no internet connection yet, because we just arrived“

„I am sorry, but you have to register first, then we can proceed“

„But it is not possible to do that for us because we cannot call an 800-number in the US nor download an app since we have no internet connection. Can we use your WLAN?“

„Sorry, but we can not give you the access. Please register and please, step back from the window“

Das ging so noch eine ganze Zeit hin und her. Die Dame wollte uns einfach nicht helfen.

Doch es gibt auch die guten Menschen. Der ‚Kunde‘ hinter uns, ein Amerikaner, hat das alles mitgehört und bot uns dann an, sein Telefon zu benutzen. Das machten wir.

Wenn man diese Nummer anruft, ist es wie bei der Deutschen Telekom. Es ist eine peinliche Endloswarteschleife. Nach über 20 Minuten Warten hatten wir endlich diese Registriernummer. Und danach ging alles problemlos. Nur nochmals die gleichen Daten die wir telefonisch bereits durchgegeben haben jetzt der Dame mitteilen und wir hatten den Stempel im Pass.

Jetzt zum Zoll. Der hatte nun leider geschlossen und wir mussten wohl oder übel am folgenden Montag nochmals hin.

Montags nahmen wir die Fahrräder. Brüllende Hitze, komplizierter Weg, 6-spurige Straßen, breite und schnelle SUV für die Radfahrer Aliens sind.

Beim Zoll legen wir die Papiere vor: Registrierung und Versicherung. Der Herr ist sehr freundlich und fragt nach den bahamischen Papieren. Die haben wir nicht dabei. Sie sind auf der Saphir. Eigentlich wollten wir sie längst auf die Bahamas schicken…

Ufff, nochmals 40 Minuten mit dem Rad zur Saphir und wieder zurück. Das willst du nicht.

Doch es gibt auch die guten Menschen. Ein italienisches Seglerpaar bekommt die ganze Geschichte mit und bietet an uns mit ihrem Auto hin zu fahren. Wir nehmen an. Am Ende fahren sie für uns 1,5 Stunden durch die Gegend. Unglaublich! Die Frau sagt, dass sie vor einigen Jahren einen Skiunfall hatte und Hilfe von einer Person bekam, die sie weit zu einer Klinik fuhr. Diese Person damals wollte keine Entschädigung sondern bat die Seglerdame, dasselbe zu tun, wenn sie mal jemand anderes helfen kann. Wir haben das Prinzip sehr gerne übernommen und werden, wenn sich die Gelegenheit bietet dasselbe tun.

Wir sind also seit gut zwei Wochen offiziell in den USA, mit allen Stempeln und einem einjährigen Cruising Permit.

Doch seit wir in Ft. Lauderdale angekommen sind ist alles anders. Jeden Tag gibt es heftige Gewitter, mehrmals am Tag, mit massig Regen. Die Luft ist extrem warm und feucht -immer über 30° und 90%. Wie soll man da weiter segeln? Ein 22 m Metall-Mast auf hoher See ist die beste Methode Blitze einzufangen und die gesamte Elektronik lahmzulegen – oder sich ein großes Loch in den Rumpf zu brennen.

Wir verschieben unsere Abreise um einen Tag. Eine gute Entscheidung, denn die Gewitter waren sehr heftig. Doch irgendwann musst du los.

Anfangs ging es super. Der Golfstrom schenkte uns noch einige Knoten und wir machten gut Strecke, zeitweise waren wir mit bis zu 10 Knoten über Grund unterwegs.

Dann, am frühen Abend die erste Front. Ausweichen geht nicht, also am besten vierkant durch. Das dauert 20-30 Minuten wenn man ihr entgegenfährt. Vorher kommen Handfunke, SAT-Telefon, IPad mini und beide IPhones in den Dampfkochtopf, größere PC etc. in den Backofen.

Wenn die Front näher kommt, spürt man erst einen kalten Hauch und dann, innerhalb von Sekunden heult der Wind auf (meist auf über 40 kn) und er dreht um 90° im Uhrzeigersinn. Man ist also besser gut gerefft oder hat die Segel ganz unten.

Letztlich hatten wir auf dem Törn von Ft. Lauderdale nach Beaufort die ganze Zeit 20-30 kn Wind, ziemlich hohe Wellen und jeden Tag eine mächtige unausweichliche Gewitterfront. Essen fiel aus, man musste sich immer mit zwei Händen festhalten wenn man sich auf dem Schiff bewegen wollte. Pfirsiche, Bananen, Birnen, Chips, das ging.

Wir waren ziemlich froh als wir nach drei und einer halben Nacht hier ankamen und brauchten erstmal Erholung. Nochmals so ein Törn – nur wenn er sich unter gar keinen Umständen vermeiden lässt.

Jetzt haben wir Cape Hatteras vor uns. Die Umrundung dauert 50-60 Stunden. Dort stoßen der warme Golfstrom und der kalte Labradorstrom zusammen. Die Gegend wird auch der Schiffsfriedhof des Atlantik genannt, 6000 Wracks.

Diesmal werden wir das Wetterfenster sehr genau studieren und abwarten bis es sicher kommt.

Beaufort wurde zur schönsten amerikanischen Kleinstadt gewählt. Und in der Tat, hier kann man es gut ein paar Tage aushalten.

Bahamas bestechende Buchten

Nach den Turks & Caicos verließ uns der Wind. Die Bahamas erreichten wir unter Motor. Und das Wetter war überhaupt nicht mehr so wie bisher. Aber eins nach dem anderen!

Die erste Insel (eine von unzählig vielen) war Acklins Island im äußersten Südosten. Unsere erste Ankerbucht – ein Traum. Grünes Wasser mit Blick auf den Grund. So klar, dass man fast die weißen Sandkörner zählen kann. Kaum ist der Anker gefallen werden wir von zwei Fischern begrüßt. Mit ihnen sind wir schnell handelseinig und kaufen für unser Dinner einen schönen Fisch, frisch gefangen, frisch geputzt und frisch ausgenommen.

Bei dem Bad im 28° Wasser irritiert nur der neugierige Barrakuda und der Gitarrenhai (Hai klingt gut, aber tatsächlich ist es ein ungefährlicher Rochen), die sich beide unter der Saphir im Bootsschatten aufhalten.

Noch eine Fahrt mit der Sea Cow zum langen, einsamen Strand, ein schöner Spaziergang und dann den Fisch in den Backofen und Abendessen.

Dann kommt der Besuch, unangemeldet, in großer Zahl und sehr hungrig: eine wahre Armada von Moskitos. „Anti-Brumm forte“ versagt. Wir fliehen ins Schiffsinnere und verbarrikadieren alle Eingänge mit Fliegennetzen. Irgendwie hilft es nicht. Bis wir feststellen, dass sie durch die Deckslüfter den Weg nach innen finden. Also werden auch die geschlossen. Und dann beginnt auf beiden Seiten der Blutrausch. Mindestes 40 Stiche und mehr als das doppelte an toten Moskitos. Leider erwischen wir nicht alle, auch in der Nacht piesacken sie uns weiter.

Am nächsten Morgen schmieden wir die Abwehrstrategie. Wir ziehen ein großes Fliegennetz, das eigentlich für ein großes Bett gedacht ist über unser Cockpit – und glauben uns geschützt. Es hält das Abendessen durch, das wir mit zwei Seglern aus dem Nachbarschiff einnehmen. Es gibt Fidels (der Fischer) berühmten Conchsalad (Conch = Riesenmuschel) mit Kartoffeln. Doch am nächsten Morgen sind wieder mehr Moskitos innen als außen. Weiß der Himmel wie die reingekommen sind.

Gleich nach dem Gewitterschauer verlassen wir fluchtartig die Bucht.

Die Folgetage verbringen wir in sehr schönen Buchten, aber es gibt keinen Wind mehr zum Segeln und mindestens einmal am Tag zieht eine Gewitterfront durch, die den Wind mal eben auf 25 kn beschleunigt und es richtig regnen lässt. Meist haben wir Glück und erleben das vor Anker.

Seglerisch lernen wir nun Neues. Die Gewässer sind extrem flach und haben zudem 70-100cm Tide. Manche Buchten lassen sich sicher nur bei Hochwasser befahren. Dazu kommt eine alle gut 6 Stunden drehende Strömung, die Einfahrten/Passagen zwischen den kleinen Inseln durchaus aufregend gestalten kann.

Das heißt wir probieren segeltechnisch die Quadratur des Kreises: Gezeitenhöhe, Uhrzeit, Strömung, Windstärke, Windrichtung, Unwetter, Wassertiefe, alles muss passen.

Bis jetzt konnten wir noch aus jedem Kreis ein Quadrat machen. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Kreuzfahrers karibischer Ramsch

Die Fortsetzung unserer „Flucht aus der Karibik II“ bringt uns von Antigua zu der Insel Providenciales in den Turks & Caicos, einer weiteren britischen Kronkolonie (wie viele haben die eigentlich immer noch?), die wie alle von ihnen vom Offshore Finanzgeschäft, in der Regel mit zweifelhaftem Ruf, lebt.

Auf unserem Weg liegt zunächst die Insel Barbuda: wunderschön wie das Paradies mit schneeweißen Stränden und türkisblauem Wasser. Barbuda wurde von dem Hurrikan Irma (dem schlimmsten aller bisher gemessenen) völlig verwüstet und hat sich bis heute nicht davon erholt. Einzig ein Luxus-Club-Zeltdorf ( die Firma heißt „Love, Peace and happiness“) ist an der Südspitze entstanden. Es ist aber nur für Mitglieder, nichtmal eine Pina Colada an der dortigen Sunsetbar wird uns Segler gegönnt. Wir spekulieren über die Kosten einer Mitgliedschaft. Sie dürfte weit über dem Jahreseinkommen eines Arbeiters liegen.

Dann folgen Inseln, die allesamt von Kreuzfahrtschiffen angefahren werden: St. Kitts & Nevis, Sint Maarten/St. Martin. Es ist ein wahres Kreuz mit diesen Schiffen. Sie laufen in den frühen Morgenstunden mit dem Sonnenaufgang in die Häfen ein und verlassen sie wieder bei untergehender Sonne – eine Insel pro Tag für die Kreuzfahrer.

Diese verlassen nach dem Frühstück ihr schwimmendes Hotel und machen sich im Pulk zu hunderten und in der Saison zu tausenden im Hafenviertel breit. Erwartet werden sie in dazu zum Teil eigens aufgebauten Ramschläden. Dort finden sie Billigschmuck, Billiguhren, billige Elektrogeräte, billige Kleidung, Flip Flops, alles aus vietnamesisch-chinesisch-koreanischer Produktion und -und das kommt der einheimischen Tradition wenigstens ein bisschen nahe – Rum und Zigarren. Jeder Laden hat eine ein Kubikmeter große Musikbox vor der Türe, die in voller Lautstärke dröhnt. Es klingt mit 110 Dezibel wie auf dem Rummel, immer knapp unter der Schmerzgrenze.

Am Abend, oder auch an Tagen an denen kein Schiff anlegt bleiben die Läden überwiegend geschlossen.

Uns hat dieser Abschnitt der Karibik gar nicht gefallen und wir können jedem die schnelle Durchreise empfehlen.

Und dann kommen wir wieder in die Karibik wie wir sie aus den Prospekten kennen. Erst die britischen und dann die amerikanischen Jungferninseln. Die letzteren haben uns besonders gut gefallen. Es gibt wieder schöne Strände und traumhafte Buchten mit türkisblauem Wasser. Auf St. John, einer Privatinsel, die sich einst Rockefeller einverleibt hat machen wir eine große Wanderung durch die Berge. Der Kauf war eigentlich ein Glücksfall für die Insel, denn Rockefeller machte am Ende einen riesigen Naturpark aus ihr. Natürliche Fauna und Flora haben sich im Gegensatz zu den anderen Inseln erhalten.

Von dort machen wir einen großen Schlag über 3 Nächte auf See und insgesamt 490 Seemeilen (ca. 900 km) zu den Turks & Caicos Inseln. Wir haben traumhafte Segelbedingungen mit guten Winden zwischen 16 und 22 Knoten aus östlicher Richtung.

Es waren wohl die letzten verlässlichen Passatwinde. Denn, solange ich dies schreibe sitze ich zwischen den Turks & Caicos und den südöstlichen Bahamas im Cockpit der Saphir. Wir rollen bei Schwachwind mit 3-4 Knoten Schleichfahrt in einem wenig bewegten Ozean mit schlagenden Segeln hin und her. Dazu kommt, dass wir die direkte Route mangels Wind nicht mehr segeln können und einen größeren Umweg machen.

Nun, um 17.30 Uhr, ist der Wind fast ganz eingeschlafen. Wir haben noch 100 Meilen (180 km) vor uns. Motor an wird nichts mehr bringen, zu groß ist der Ozean. Wir werden vielleicht eine ganze Weile noch vor uns hindümpeln….

Heute ist Sonntag. Da gibt es traditionell Sauerbraten mit Spätzle und Kartoffelsalat. Das Dinner wird bestimmt nicht von dringenden Segelmanövern unterbrochen.

Flucht aus der Karibik I

Ok, der Titel verspricht vielleicht mehr als er am Ende halten wird. Die erste Segelwoche auf der Saphir glich tatsächlich ein wenig einer Flucht. In kurzer Zeit sind wir die Strecke von Trinidad nach St. Lucia gesegelt, mehr als 400 Seemeilen. Jeden Abend schnell vor Anker, eine kurze Nacht und dann sehr früh wieder los. Das ging nicht immer gut und war insgesamt ziemlich anstrengend. Wir hatten Wind aus Osten mit 16-24 Knoten und dazu eine gute Welle. Über lange Strecken lagen wir hoch am Wind mit über 30° Krängung auf der Seite. Selbst Pinkeln wird dann zu einer ausgewachsenen Bergtour – von Essen ganz zu schweigen. Die See kam oft vorne über und auch unser Süllbord war über lange Distanzen immer unter Wasser.

Bei der Einfahrt zum Ankerplatz in Grenada hatten wir dann morgens um 3 Uhr noch einen kleinen selbstverschuldeten Unfall. Nach einem langen harten Segeltag, der eigentlich erst um 4 Uhr morgens zu Ende war sind wir in einer Untiefe auf Grund gelaufen. Es war ein ziemlich harter Schlag gegen den Bleikiel und dann neigte sich die Saphir bis fast zum Cockpitrand zur Seite. Das ging zweimal kurz hintereinander, dann kamen wir Gottseidank wieder frei. Beim Abtauchen des Kiels am nächsten Morgen konnten wir die Schäden begutachten. Der wunderbar neu gestrichene Kiel hat nun vorne eine satte Beule und ist seitlich an der Bombe ziemlich verkratzt. Aber Hallberg-Rassy riet uns einfach nichts zu machen und die Beulen beim nächsten Lift auszubessern. Also sind wir nochmals mit einem blauen Auge davongekommen.

Die Woche davor war geprägt von reichlich vielen Vorbereitungsarbeiten. Die Saphir war 10 Monate auf dem Trockenen. Da sammelt sich einiges an. Gut war, das es keinen Schimmel im Innern gab. Die neuen Sonnenkollektoren (200 W) sind installiert und leisten nun beste Dienste, unser Watt & Sea Hydrogenerator hat einen neuen Pin und funktioniert ebenso tadellos (eigentlich nun zum ersten Mal seit seinem Einbau in Gibraltar). Die Saphir ist top gereinigt, der Rumpf ist poliert, das Teak sauber und schön, alles Edelstahl blank geputzt. Sie hat ein neues Antifouling und neue Opferanoden aus Zink bekommen und ein Bugspriet für das neue Leichtwindsegel wurde installiert (Blue Water Runner von Elvström). Dieses Vorwindsegel hat über 160 qm Fläche. Aber wir konnten es bisher noch nicht ausprobieren, weil derzeit Amwindsegeln angesagt ist.

Seit Trinidad segelt die Saphir unter Schweizer Flagge. Das wird ihr in einigen Ländern das Leben erleichtern. Dazu mussten alle elektronischen Geräte neu programmiert werden, denn mit der Umflaggung änderte sich auch unsere Kennung (HBY5333) sowie unsere MMSI (269 112 820). Mit der MMSI kann man uns auf MarineTraffic finden.

Heute nun gibt es den ersten entspannten Tag in einer wunderschönen Bucht auf Barbuda. Feinster weißer kilometerlanger Sandstrand und türkisblaues Wasser, ganz so wie man sich die Karibik vorstellt.

Vielleicht schaut ja Captain Sparrow zum Sundowner vorbei. Er wäre willkommen.

Ach, und dann hätten wir die Saphir fast versenkt – mit Süßwasser, wie damals in Málaga (siehe Blog). Bei Füllen der beiden Frischwassertanks am Dock in Trinidad ist uns ein kleines Malheur passiert. Wir hatten den oberen Tank inspiziert und dann vergessen den Stöpsel wieder aufzustecken. Beim Wassertanken lief, als auch der obere Tank voll war, nun der gesamt Überlauf direkt in die Bilge. Wir haben das erst gemerkt als wir wahrscheinlich gut 400 Liter Wasser mehr im Schiff hatten als in die Tanks passt. Das gab mal Gelegenheit die große Notpumpe in der Bilge zu testen. Jetzt haben wir die Gewissheit, dass sie wirklich einiges leisten kann – und hoffen, dass wir sie trotzdem niemals wieder brauchen werden.

Hurrikan-Pause

Seit Ende Mai ist die Saphir im Peake Boatyard, Chaguaramas/Trinidad an Land.

IMG_2230

Sie ist top sauber, alle Tanks sind gefüllt und mit Antidieselpest (Diesel) und Silberionen (Frischwasser) für die nächsten Monate konserviert. Die Segel sind beim Segelmacher um sie zu prüfen, zu reparieren und vor allem auch wieder sauber zu machen.

4048d2db-063d-43ba-b4c1-5c5f180408ca

Es war eine unglaubliche Tour die wir seit Ende Dezember gesegelt sind. Wir können es immer noch nicht ganz fassen: zu zweit auf einem 13,5m Schiffchen über den Atlantik. Aber keine Klagen: Wir hatten beste Wetterbedingungen, erstklassigen Wind und sehr erträgliche Wellen. Nur, der erste Teil von den Kanaren nach Kap Verden war mehr als aufregend (siehe Blog). Das brauchen wir nicht nochmal.

 

 

 

SY Saphir Track 2018

Wir sind sehr dankbar, dass wir uns nie in wirklich schwierigen Situationen wieder gefunden haben. Solche Kleinigkeiten wie nicht mehr einrollbare Genua oder gerissene Ausholleine vom Großsegel meistern wir schon mal ohne großes Tamtam.

 

 

Die Hurrikansaison beginnt am 1. Juni und endet zum 30. November. Wir haben gesehen, was im letzten Jahr Irma und Maria angerichtet haben und hoffen nun, dass Trinidad wirklich außerhalb der Gefahrenzone liegt. Die Flüge nach Trinidad sind gebucht und auch die Segelpläne stehen im Groben fest: Von Dezember bis Juni 2019 werden wir die kleinen Antillen, die großen Antillen (v.a. Kuba, Jamaika) und die Atlantikseite von Mittelamerika (Mexiko, Guatemala, Belize, Nicaragua, Costa Rica) bis Panama besegeln.

Doch diesen Sommer, den ersten seit 2014, werden wir in Deutschland und der Schweiz genießen. Wir freuen uns darauf unsere Familien und Freunde wieder zu sehen.

 

Seglerbeine mit Muskelkater

Wir haben auf unserem Weg nach Süden noch einmal in Dominica Stopp gemacht. Die Insel ist – trotz Hurrican-Verwüstungen – einfach zu schön.

Wir wanderten zum „Boiling Lake“, das ist ein kochender See von ca 200m Durchmesser. Man sieht leider nicht sehr viel von ihm, denn seine Oberfläche verhüllt sich unter einem dichten Nebel aus Wasserdampf. Die Wanderung selbst hatte es in sich, sowohl landschaftlich als auch körperlich.

Die ganze Strecke waren 16 km und ca 1.000 Höhenmeter, vieles davon auf rutschigen Bohlenwegen. Wir hatten an diesem Tag besonders viel strömenden Regen und starken Wind. Auf den Höhenzügen war es ungewöhnlich kalt – Anorakzeit. (Man beachte auch die fesche Mode, wenn sich zwei Segler in die Berge verirren). Wir wanderten durch eine beeindruckende Vulkanlandschaft, Fumerolen und nach faulen Eiern stinkende Schwefelfelder.

Apropos Eier: Zum ersten Mal überhaupt haben wir Eier gegessen, die im vulkanisch erhitzten Wasser hart gekocht wurden. Sehen außen toll aus und schmecken innen wie zu Hause -:)

Angeblich soll der stinkende Vulkanschlamm gut für die Haut sein. Wir haben das ausprobiert. Wenn man unseren alt machenden Erschöpfungszustand mit der Schlammverjüngungstour gegenrechnet, kann man sagen: es stimmt – wir sahen danach aus wie vorher…

Am Ende war es eine wirklich anstrengende Tour und wir erholten uns 3 Tage lang in der Prince Ruppert Bay im Nordenwesten von Dominica von den vulkanösen Strapazen. Besonders schlimm machte sich der Muskelkater bemerkbar, wenn man die 4 Stufen des Niedergangs in unseren Salon hinuntersteigen musste.

Heute sind wir in den sagenhaften Tobago Cays angekommen. Irre, das türkisblaue Wasser, die kleinen Inseln mit kleinen Sandstränden und draußen das Riff mit den brechenden Atlantikwellen. Wir haben nun Nebensaison und die Cays werden nur von einer überschaubaren Anzahl Yachten besucht.