Wir sind in Longyearbyen. Das ist die Hauptstadt von Svalbard, das wir in Deutschland Spitzbergen nennen. Sie hat um die 2.500 Einwohner, weitere knapp 500 Menschen leben sehr verstreut auf dem Archipel.
Seit Schottland haben wir 1.844 nautische Meilen zurückgelegt. Das sind ca. 3.320 km.
Hier wird kein Mensch geboren, denn es gibt keinerlei Geburtshilfen. Daher gibt es einen Helikopter, der jederzeit bereitsteht eine niederkommende Mutter direkt nach Tromsø auf das Festland zu fliegen. Flugdauer vielleicht eineinhalb Stunden.
Wir haben die Überfahrt nicht ganz so schnell geschafft. Dafür gab es ein optimales Wetterfenster, gut drei Tage Wind vom feinsten. So, dass wir die ganze Strecke segeln konnten. Wellen gab es auch und manche machten uns zu schaffen. Aber gut.
Besonders schön waren die Lofoten mit ihren schroffen Bergen. Es gab viele Gelegenheiten zu wunderbaren Wanderungen. Beeindruckend sind die von eingeflogenen Sherpas (ja, die aus Nepal) gebauten Stufen die Berge hinauf. Die Treppe bei dem berühmten Reinebringen hat fast 2.000 Stufen. Die Aussichten sind gigantisch, wenn man einmal oben angekommen ist.
Top of ReinebringenSherpa Treppe
Und überhaupt ist auch bei uns der Sommer eingekehrt. Seit wir den Polarkreis überquerten, haben wir fast nur noch Sonnenschein. „Nur noch“ ist durchaus ernst gemeint, denn seit dem 12. Juni ist die Sonne nicht mehr untergegangen. Gestern war der wärmste aller Tage hier in Longyearbyen. T-Shirt-Wetter auf dem Hausberg, nachdem wir durch Schneefelder hinaufgestiegen sind!
Wanderung in Hennigsvær
Katrins Schwester Isabel hat uns eine Woche von den Lofoten nach Tromsø begleitet. Das Teufelstor in Svolvær war ein wunderschönes Highlight auf einer Wanderung.
Das Teufelstor
Heute haben wir das Gewehr abgeholt, das uns vor den Eisbären schützen soll, die wir im weiteren Verlauf der Reise nach Norden vielleicht antreffen werden. Ein Mauser Sturmgewehr der Wehrmacht, Baujahr 1940. Das Hakenkreuz wurde herausgeschliffen, aber der Reichsadler ist noch gut sichtbar. Kosten für 2 Wochen: 340 Euro inklusive 30 Patronen. Das scheint ein gutes Geschäft zu sein, obwohl die Wehrmacht damit nicht besonders erfolgreich war.
Wem die Stunde schlägt, auch der wird ausgeflogen und in Tromsø beerdigt. Denn hier im Permafrost würden die toten Körper auf ewig konserviert und viele davon wieder an die Oberfläche gespült werden, egal wie tief sie begraben wurden. So sind jedem Svalbarder mindestens 2 Freiflüge im Leben gesichert.
Morgen geht es weiter. Wir werden nun endgültig den zivilisierten Bereich verlassen und uns, wenn es die Eissituation erlaubt, bis auf 10° nördlicher Breite dem Nordpol nähern.
Unser Nächte sind kurz. Wir sind über dem Polarkreis und die Sonne will nicht mehr untergehen. Wir verlieren jegliches Zeitgefühl. Wir schauen nun öfter auf die Uhr und entscheiden nach der Uhrzeit zu essen oder schlafen zu gehen.
Wir sind schon weit, aber noch lange nicht am Ziel
Das Wetter ist zum Eierlegen. Es regnet praktisch jeden Tag seit wir in Schottland abgelegt haben. Unsere Sehnsucht nach Sonne (und ein bisschen Wärme) ist groß und wurde erst in den letzten beiden Tagen zufriedengestellt. Aber dann ist die Landschaft überwältigend und großartig. Es ist als segelte man an einer endlosen Ketten eines Hochgebirges entlang. Schneebedeckte Gipfel (um die 1.000m hoch), Gletscher und türkisgraues, klares Wasser.
Unser letzter Hafen in Schottlands äußerster Nordostspitze war Wick. Entgegen den ursprünglichen Plänen setzen wir von dort aus direkt nach Florø/Norwegen über. Die Orkneys und Schottland waren mit den gegebenen Wetterfenstern zeitlich nicht zu erreichen.
John o‘Grouts: This is not the end of the world. It is the beginning of the hell.
Seither dödeln wir von einer kleinen Stadt oder einer kleinen Marina an Norwegens Küste entlang. Überall gibt es Anlegestege, Strom und Wasser. Es ist ein Segeln in der Zivilisation, so ganz anders als das was wir letztes Jahr in Labrador und Grönland erlebt haben.
Am Anfang eines Pantoon gibt es eine kleine Box, in die man einen kleinen Geldbetrag für die Benutzung einwirft. Ein System des Vertrauens, das hier ganz offensichtlich perfekt funktioniert.
In voller Montur bereit zum Sgeln
Keine kleinen Beträge kostet allerdings das sonstige Einkaufen oder Restaurantbesuche. Wir sind von der Schweiz bereits einiges gewohnt, aber Norwegen legt noch eine große Schippe drauf.
Hier gibt es übervolle Supermärkte, köstliches Wasser aus dem Hahn am Pantoon, die Menschen sind freundlich und fröhlich.
Am Pantoon in Myken
Jetzt liegen wir am Steg der kleinen Insel Myken und warten das morgige Wetterfenster ab um die Überfahrt zur Südwestspitze der Lofoten zu machen.
Eher selten sind diese starken Winde, meist sind sie eher zu schwach um anständig zu segeln
Ende April sind wir nach Schottland zurückgekehrt um so bald als möglich die Saphir wieder ins Wasser zu lassen. Wenn ein Schiff in der Halle überwintert, so wie die Saphir, muss das Rigg wieder aufgestellt werden, die Segel wieder hoch und alles so erledigt werden, dass wir sicher die Nordreise angehen können. Die Saphir hat ein neue Segelkleider bekommen: Sie stehen ihr hervorragend.
Montage des Windmesser im Masttop
Am 3. Mai sind wir in See gestochen. Das klingt nach viel, trifft den Anfang der Reise aber überhaupt nicht. Ein paar Stunden motorten wir auf einem schottischen Fjord bis zum Crinan Canal. Dieser durchschneidet die Halbinsel Kintyre (ja, die von dem Dudelsackgeplärre) an ihrer Basis und erspart einem die sehr aufregende Umrundung derselben. An ihrer Spitze kocht das Wasser aufgrund der heftigen Strömungen. Der Kanal wurde bereits 1801 gebaut. Die 13 Schleusen muss man selbst bedienen. Zwei Nächte haben wir wegen der Schwerarbeit im Tiefschlaf im Kanal verbracht.
Schottland ist auch Hallberg Rassy Country
Danach hatten wir einen wunderbaren Segeltag (also eher mit Sonne als mit Regen) mit bestem Wind um vom Kanalende bis Oban zu segeln. A propos schöne Tage: Das Wetter ist wechselhaft, das heißt jeden Tag gibt es Regen und Sonnenschein, meist im Stundenrhythmus und es ist eher (richtig) kalt.
Wie in einem Ententeich
Weiter ging es dann wiederum mit perfektem Wind bis zum Eingang des Caledonian Canal. Der führt von der Atlantikseite auf die Nordseeseite im Osten. Der Kanal hat 23 Schleusen und wir brauchten knapp 3 Tage.
Von West nach Ost über die Kanäle
Die Fahrt durch den Kanal hat unsere Allgemeinbildung zu Schottland deutlich aufgewertet. Tatsächlich sind nur 22 km echter gegrabener Kanal der Rest besteht aus natürlichen Seen, die man hier in Schottland „Loch xy“ nennt. Und siehe da, einer davon ist der 36 km lange Loch Ness, die Heimat des berühmten Seeungeheuers Nessie. Durch Loch Ness fließt ein Fluss mit dem Namen „Ness“ und die Mündung des Flusses in der Nordsee heißt „Inverness“. Alle mit einer guten humanistischen Bildung wissen, dass in Inverness ein gewisser Macbeth und seine Lady im 16. Jahrhundert ihr mörderisches Unwesen trieben und einen gewissen W.S. nicht lange danach zu einem ebenso mörderischen Drama inspirierten.
Loch Ness hat ca. 7 mrd Kubikmeter Wasser. Man weiß es nicht so genau, denn die Tiefenmessungen schwanken zwischen 250 und 350 m. Jedenfalls grenzt es an eine kosmische Unmöglichkeit darin ein ca. 40 Kubikmeter großes Seemonster zu finden. Das Ufer ist unbewohnt, nur eine spärlich befahrene Landstraße führt an einem Ufer entlang. Es herrscht Linksverkehr, die Autofahrer können also kein Auge auf die Seeoberfläche werfen um Nessie (ein Ungeheuer, das die gleiche Farbe hat wie das Seewasser) zu entdecken. Ich bin überzeugt, dass es Nessie nicht gibt, auch wenn man in einem Touristengeschäft die Nachbildung in Plüsch kaufen kann.
Morgen geht es vielleicht weiter. Wir warten noch auf ein Expresspaket aus Deutschland. Unser Stecker für den Landanschluss ist durchgebrannt. Seit das UK nicht mehr in der EU ist, sind die Zollformalitäten auch den dafür zuständigen Sachbearbeitern unbekannt. Express dauert deshalb eher länger (und man ist froh, wenn es überhaupt ankommt).
Die Passage von Vagur auf der südlichsten Faröer Insel bis nach Stornoway im Norden der schottischen Hebriden hatte es nochmals in sich. Wir konnten tatsächlich nicht auf das beste Wetterfenster warten – falls so eines in dieser Jahreszeit überhaupt nochmals kommen würde. Wir starten morgens gegen 8 Uhr in dichtem Nebel, immerhin waren wir froh, dass es nicht auch noch regnete. Solange wir innerhalb des kurzen Fjords bleiben (und motoren) ist alles ruhig. Draußen sind wir dann sofort im ersten Reff und bald darauf im Reff II. Es bläst ordentlich und leider nicht aus der bevorzugten achterlichen Richtung sondern von „schräg vorne“. Dazu noch die beliebte nordatlantische kurze steile hohe Welle. Das war es dann wohl – zum Essen wird es bis zur Ankunft am nächsten Nachmittag nur noch Äpfel geben.
Von Portland/Maine nach Fairlie Quay/Schottland
Tatsächlich empfangen uns Schottlands nördliche Hebriden mit dem schönsten sommerlichen Wetter. Wer hätte das gedacht! So also fühlt sich Sommer an, blauer Himmel, türkises Meer, laues Lüftchen, grüne Küste mit Bäumen! Das hatten wir zuletzt in Nova Scotia.
In Stornoway klarieren wir ein. Die Nachwirkungen vom Brexit sind noch zu spüren. Der Prozess ist noch in der Überarbeitung und keiner weiß so richtig wie das geht. Nach einigen Telefonaten ist aber auch das geschafft und wir dürfen mit der Saphir 18 Monate im Vereinigten Königreich bleiben. Das ist großzügig im Vergleich zu unseren US-Freunden, die vor kurzem in Portugal angekommen sind. Die Europäische Union erlaubt ihnen nur einen Aufenthalt von 6 Monaten.
Um von Stornoway nach Fairlie Quay zu segeln muss nicht nur der Wind passen, jetzt sind wir auch noch mit richtigen Tidenströmungen konfrontiert, die auch unter Motor nicht ignoriert werden können. Der Vorteil ist, dass wir nicht mehr über Nacht gehen müssen, der Nachteil, dass wir immer mehr unter Zeitdruck geraten um unsere Termine zu Auswasserung und Rückflug zu halten. Also noch 4 Hüpfer à 60 Meilen.
Die Saphir hat über die ganze Reise zwar ein paar Schönheitsnarben erhalten, aber wir waren nie in ernstzunehmenden Problemen, selbst kein Kühlschrank in Grönland war machbar. Doch jetzt, auf den letzten Metern verweigert sie uns das Ausholen des Großsegels. Gut, zum Teil ist der Wind wieder so stark, dass wir auch unter der Genua gut vorankommen und den Rest machen wir halt unter Motor.
Vor dem Auswassern haben wir einige Tage Zeit, die Saphir gründlich auf ihr Winterlager vorzubereiten. Die Hauptarbeit besteht dann vor allem aus Putzen – Bodenbretter, Matratzen, Schränke alles raus, Deck reinigen, Segel runter, Wassermacher konservieren und vieles mehr.
An den Abenden feiern wir mehrmals wehmütigen Abschied von unseren Buddy-Schiffen – Isolde und Gabor von der Kestrel, Sally und Miles von der Hiraeth und Fiona und Jon von der Misty Mhor.
Und dann bringt die Queen unseren Zeitplan durcheinander. Ihr Staatsbegräbnis wird zum offiziellen Bankholiday an dem keiner arbeitet. Am Montag den 19. September wollten wir um 8.15 Uhr bei Hochwasser an den Kran. Die karnevalistische Veranstaltung (Achtung Spoiler! Der „Postillion“ schlug vor wegen des großen Publikumserfolges im Vereinigten Königreich den Sarg auf Welt Tournee zu schicken) durchkreuzt unsere Pläne. Alles verschiebt sich um einen Tag nach hinten.
Am Kran am NATO-Pier
Nun aber ist die Saphir aus dem Wasser, der Mast wird bald gelegt und dann kommt sie in die NATO-Halle – jawoll Herr Kaleu! Tatsächlich haben die Schotten während des zweiten Weltkrieges an dieser Stelle U-Boot-Fangnetze durch den Clyde gespannt um zu verhindern, dass deutsche U-Boote den River Clyde hinauf bis nach Glasgow in Schleichfahrt nehmen. Später hat die NATO ein großes Pier und eine Riesenhalle gebaut. Vor 10 Jahren ist die Anlage allerdings zu einer großzügigen Werft „umgebaut“ worden. In der Halle haben über 120 Boote Platz.
An Land gibt es gar nicht mehr so viel zu tun. Motor und Generator müssen noch für den Winter vorbereitet werden, die Wassertanks leergepumpt und außerdem müssen wir noch den letzten britischen Catch 22 lösen.
Wir haben vier eigene nichtrostende Aluflaschen zum Betrieb unseres Propangasherdes. Aber unser Gas ist alle. Das Füllen war auf der ganzen Welt kein Problem bis auf Island, wo ausschließlich isländische Flaschen mit einem isländischen Verschluss gefüllt werden und auf den Faröern, die Flaschen nur tauschen oder verkaufen, weil sie alle Flaschen zum Füllen nach Dänemark schicken. Die Britten haben es auf die Spitze getrieben: Sie geben volle Flaschen ausschließlich im Tausch gegen leere ab. Wir haben keine leeren britischen Flaschen. Man kann auch keine leeren Flaschen kaufen. Es gibt einfach keine. Ein Rat war, sie auf dem Schrottplatz zu suchen…
Catch 22
Wir haben eine 7 kg-Flasche von Freunden geliehen. Sie hatten auch den UK-EU-Adapter. Wir haben gelernt, dass man mit einer 7 kg Flasche innerhalb von 10 Minuten eine 2.7 kg Flasche füllen kann. Aber danach geht nix mehr. Druckausgleich! Für unsere vier 2.7 kg-Flaschen brauchen wir also vier 7 kg Flaschen. Wir brechen das Experiment nach der ersten Flasche ab und hoffen, dass sich die Gaskrise bis im April nächstes Jahr gelegt hat.
Den letzten Abend vor dem Rückflug verbringen wir in Glasgow. WOW! Großstadt! Das gab es seit Halifax nicht mehr. Was für ein Trubel und die vielen Menschen und Autos. Willkommen zurück.
Hat aber auch was Gutes! Ein Sternerestaurant: Unalome by Graeme Cheevers.
Eine Stern zum Abschluss
Wir stoßen an – auf eine unglaubliche, unvergessliche Segelreise mit der Saphir.
Die Saphir schiebt, solange ich das schreibe, um 6-8° Lage, außerdem rüttelt das ganze Schiff etwas unruhig im Wasser. Wer jetzt denkt wir sitzen im Cockpit und segeln auf hoher See Richtung Schottland, denkt falsch.
Tatsächlich liegen wir sicher im Fischerhafen von Vagur, das ist der südlichste Hafen auf der südlichsten Insel der Faröer. Der Wind kommt etwas von der Seite und weht schon seit zwei Tagen mit ca. 20 Knoten, in der letzten Nacht hatten wir Spitzen bis 30 Knoten.
Gut, dass der Wind uns vom Pier wegdrückt. So bleiben uns die schwarzen Striemen der Autoreifen erspart.
Eigentlich wären wir jetzt gerne in Schottland und das schon seit einigen Tagen. Die Herbststürme kommen hier allerdings gerade so dicht hintereinander, dass wir nicht mal ein kurzes ca. 30-stündiges Wetterfenster finden.
Am 19. August sind wir in Westmänner/Island gestartet um die ca. 370 Meilen nach den Faröern zu segeln. Es war ein sehr kurzfristiger Entschluss, den wir erst am Morgen fassten. Dafür wurden wir mit einem herrlichen Segeltag bei schönstem Wetter belohnt. Der zweite Tag war schwachwindig und wir mussten einen Teil sogar motoren., dafür gab es dann am dritten Tag mächtig Wind und mächtig Welle. Wir waren ganz schön froh, als wir am Abend endlich in Landabdeckung kamen und um Mitternacht endlich im ruhigen (!) Hafen von Tórshavn, der Hauptstadt der Faröer, anlegen konnten. Wir haben den sicheren Hafen gerade noch rechtzeitig vor weiterem Unwetter erreicht.
Belohnt wurden wir für diese Überfahrt mit weiteren vier Tagen Regenwetter und Nebel. An manchen Stunden sah man nicht mal mehr die andere Seite des Hafens. Wir hatten also ausreichend Gelegenheit das kulinarische Angebot von Tórshavn zu entdecken. Die Küche ist sehr speziell, was das Meer und das Land hergibt – also junge Kelbblätter, Anchovie-Eis, Seeigel, Kartoffeln und Rhabarber (das einzige Gemüse das hier wächst) und ein paar kümmerliche Kräuter, die mühsam gesammelt werden. Die Menüs waren gewöhnungsbedürftig, aber etwas besonderes. So hatten wir noch nie gegessen.
Und dann, endlich nach vier Tagen hat sich für einige Zeit die Sonne angekündigt. Das haben wir zu unglaublich schönen Wanderungen genutzt. Meist waren wir 16-20 km unterwegs.
Gut geschützt vor dem Wind für eine kurze MittagspauseMit blauem Himmel sind die Faröer fantastisch schön und entschädigen für die anderen 95%…
Und dann wieder warten bis sich ein Wetterfenster für die 240 Meilen nach Schottland auftut. Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt.
Am Samstag den 3. September entschließen wir uns wieder kurzfristig am Morgen den Sprung nach Schottland zu wagen. Die Wettervorhersage ist so lala. Winde um die 20 kn leider etwas von vorne, sodass klar ist, dass wir gegen an kämpfen müssen. Eine Nacht, glauben wir, können wir das gut durchhalten.
Draußen im freien Ozean sieht das dann ganz anders aus. Winde bis 30kn und die dazugehörige Welle. Wir geben auf und legen 6 Stunden später in Vágur an.
Hier sitzen wir nun bei wirklich miesem Wetter und warten. Alleine sind wir nicht, es sind noch zwei weitere Segler hier und noch zwei werden erwartet. Tatsächlich sind wir mehr als erleichert, dass wir abgebrochen haben, solange es noch gut ging.
Wir haben schon einen festen Termin für die Auswasserung in Fairly Quay (nähe Glasgow) gebucht: 19. September um 8.15h.
Hoffen wir, dass wir bis zum Termin dort sind. Wir brauchen dafür mindesten 6 Tage. Es wird jeden Tag ein wenig knapper.
Eigentlich wollte ich in diesem Blog von der heimtückischen Schönheit der Eisberge und ihren kleineren Kollegen, den Crawlern und Bergy-Bits, schreiben – von ihrer imposanten Größe, von ihrer Penetranz im Vorwärtskommen, von ihrer Rücksichtslosigkeit wenn sich etwas in ihre Bahn stellt, von ihrer Bockigkeit wenn man einen 100 Tonnenklotz versucht mit 2×3 PS zu versetzen, von den ekelhaften schmatzenden und gurgelnden Tönen, die sie von sich geben, wenn man ihnen nahe kommt und natürlich von ihrer Kälte, von ihrer Eignung Martinis, Gin Tonics und derlei mit einem gewissen Mythos zu kühlen und davon, wie sie im Glas, genügend Phantasie beim Zuhören vorausgesetzt, diesen wunderbaren unnachahmlichen Sound erzeugen, wie es nur mehrere tausend Jahre altes Eis kann. Und von ihrer einzigartigen weiß-transparent-türkisen Schönheit, die bei blauem Himmel und heller Sonne nur durch wenig anderes übertroffen wird. Grönland, an seiner Westküste ein wenig, aber im Übermaß an seiner Ostküste hat uns das geboten.
Das ist nun schon seit zwei Wochen Vergangenheit. Zwischenzeitlich durften wir erfahren wie der kälteste, windigste und nässeste Sommer Islands seit 1937 aussieht. Seit unserer Ankunft vom sonnigen Grönland in Reykjavik an Islands Westküste hat es genau zwei Tage gegeben, an denen sich die Sonne gezeigt hat. An allen anderen Tagen trugen wir mehrere Lagen Kleidung unter Anoraks und Regenhosen, Wollmützen inklusive. Und trotzdem haben wir Island spontan in unser Herz geschlossen.
Wir haben lange, durchaus anstrengende Tageswanderungen zum großen Riss, der sich zwischen der amerikanischen und eurasischen Kontinentalplatte auftut und jedes Jahr größer wird unternommen.
Die natürliche Grenze…Rechts: Amerika. Links: Europa
Wir haben das älteste nordeuropäische Parlament besichtigt, wo drakonische Strafen als Gesetze verkündet wurden, wir haben in heißen Bächen gebadet, die man erst nach zweistündigem Marsch ins Inland erreichen konnte, wir haben mit tausend anderen Touristen einen imposanten Wasserfall
Da wird man auch nass, wenn es ausnahmsweise mal nicht regnet
und einen kümmerlichen Geysir, der alle 10-15 Minuten für eine knappe Sekunde eine Fontäne in die kalte Luft schickte besucht,
wir sind zwischen Fumerolen und schmatzend blubbernden heißen Schlammpötten herumgelaufen
Es qualmt und stinkt überall
und haben im ältesten öffentlichen natürlichen Pool Islands ein warmes Bad in strömenden Regen genossen. Zu guter Letzt haben wir auch noch zwei Isländische Restaurants besucht, eines davon mit einer isländisch-arabischen Cross over Menükarte. Das beste Restaurant in Reykjavik müssen wir uns für nächstes Jahr aufheben, wenn wir länger hier sind. Der nächste freie Tisch war leider erst zum 14. September verfügbar.
Doch das Highlight, mit großem Potential die grönländischen Gletscher in den Schatten zu stellen war der Besuch des frisch ausgebrochenen Vulkans beim Berg Fagradalsfjall. Mit tausenden anderen Schaulustigen sind wir 2 Stunden über Stock und Stein gelaufen um am Ende auf einer Anhöhe gegenüber der heiß speienden, brodelnden, eruptiven und fliesenden Lava zu landen. Alle, die Menschen um uns herum und wir selbst, haben das überwältigende Naturschauspiel in einer berührenden Stille genossen. Es war als säße man an einem riesigen Lagerfeuer, man spürte die meditative Wärme im Gesicht, das Höllenfeuer und die unmittelbare Nähe zu einer unbändigen Natur, der der Mensch nichts entgegenzusetzen hat. Es ist ein Erlebnis, das sich im wahrsten Sinne des Wortes einbrennt.
Im Museum Perlan, das tatsächlich 6 große Wasserspeicher (klar, warmes Wasser) „versteckt“ konnten wir die Entstehungsgeschichte Islands erleben und uns über unsere Zukunft Gedanken machen. Wie in den Alpen sterben auch in Island die Gletscher. Ein kleines Messingschild am Ort des bereits verstorbenen Gletscher mit dem Namen „Ok“ hat uns besonders betroffen gemacht.
Von Reykjavik sind wir im Nachtsprung bei günstigen Winden nach der Westmänner Insel gesegelt – entlang der Südküste und mit Blick auf den Feuer speienden und nach Schwefel riechenden Vulkan in der perfekten Vollmondnacht.
In Westmänner haben wir im Hafen ohne Probleme einen Sturm abgewettert und gehofft, nach seinem Durchgang, morgen weiter zu den Faröer Inseln zu segeln. Pustekuchen! Die Wettervorhersagen laufen auseinander: zu hohe Wellen, zu wenig Wind, zu viel Wind, Gegenwind. Mit der Crew der „Kestrel“ und der Schweizer „Happy Day“ sitzen wir im Café und beraten. Und bleiben ratlos. Das Fenster ist knapp und gefährlich, wenn es nicht genau so eintrifft wie die Vorhersagen, aber ein nächstes kommt vielleicht erst in einer Woche. Wir brauchen für die 370 Meilen drei Nächte. Die Wettermodelle sind bereits am zweiten Tag uneins. Morgen früh schauen wir uns die neuesten Prognosen an. Aber so wie es aussieht machen wir es wie es uns ein alter Captain auf einem ägyptischen Tauchboot gelehrt hat: The sea teaches you to be slow.
Von der verlassenen Wetterstation auf der Ostseite Grönlands sind wir weiter die Küste entlang nach Norden gesegelt. Draußen vor der Küste ist immer dichter Nebel, aber sowie man ins Fjord kommt lichtet er sich (meist). Es ist ein bisschen schade, denn das Panorama ist gigantisch. Aus jedem Tal kommen die Gletscher bis zum Ozean. Daher gibt es relativ viel Eis das aus den Fjorden herauskommt. Und die Eisberge bekommen ganz andere Dimensionen im Vergleich zur Westseite, wo sie schon ziemlich viel an Masse auf ihrer Reise rund um Cape Farvel verloren haben. Manche schätzen wir auf bis zu 50 m hoch und dreimal so breit.
Riesige Eisberge auf dem Weg
Das Auffinden der Ankerplätze wird zum Abenteuer. Einmal Nebel, zum anderen Eis und zum Dritten stimmt unsere Karte um bis zu 2 km nicht mehr. Man fährt dann solange am Ufer entlang bis die Einfahrt zur Ankerbucht kommt. Allerdings kann es schon sein, dass auch eine Landzunge, die in der Karte nicht verzeichnet ist dazwischen kommt.
Ohne die „Kestrel“ wäre es sehr einsam in der Bucht
Jeden Tag haben wir in den Ankerbuchten herrlichen Sonnenschein. Wir genießen Ausflüge zu den kalbenden Gletschern mit unserer kleinen SeaCow (Gummiboot).
Ausflug mit der SeaCow zum kalbenden GletscherAbends werden die Crawler geschubst, dass sie uns nachts keine Probleme bereiten.
Am Tag der Abreise aus Grönland erleben wir eine Riesenüberraschung. Das ganze Fjord ist voller Eis und es steht Spitz auf Knopf ob wir überhaupt durchfahren können. Der Eisgürtel is ca 4km breit. Aber unser Buddyschiff „Kestrel“ mit dem wir seit einiger Zeit unterwegs sind bahnt uns mit ihrem Stahlrumpf den Weg. Wir bleiben immer 10 m direkt hinter ihr. Wären wir allein gewesen hätten wir eine unbestimmte Zeit warten müssen bis sich die Eissituation zu unseren Gunsten verändert.
Dahinter liegt der offene Atlantik. Wir müssen hindurch.
Am Ende werden wir mit einem Eisbär belohnt. Ein Anblick auf den jeder Arktis-Segler hofft. Das arme Tier hat allerdings bei den beiden Schiffen etwas Panik bekommen und schnell das Weite gesucht. Einen Tag vorher waren wir vielleicht drei Kilometer von der Stelle an Land.
Seglers seltenes Glück
Die 4-tägige Überfahrt nach Island ging relativ gut, trotz einer scheußlichen Welle (Buckelpiste), dafür aber günstigem Wind. Nach der Einsamkeit hatten wir eine ziemliche Sehnsucht nach Zivilisation. Seit Halifax waren wir in keinem Restaurant mehr.
Unser Kochgas wurde langsam knapp und wir fingen schon an zu sparen, dass es mindestens bis Reykjavik reichen sollte. Das tat es auch, aber das Befüllen unserer eigenen Flaschen ist in Island nicht erlaubt – es werden nur isländische Flaschen getauscht. Wir kauften eine und hatten eine ziemliche Bastelei um sie an unser Bordnetz anzuschließen.
Und noch etwas haben wir in Reykjavik gelernt: In Grönland gab es mehr Eis in diesem Jahr als in den vergangenen 50 Jahren. Und in Island kämpfen wir mit dem nassesten und kältesten Sommer seit 1937.
Wir sind vor 3 Tagen am Ostende des Prince Christian Sound angekommen. Auf seiner Westseite sind die Berge sehr hoch und steil in den Sund abfallend, nach Osten hin wird es eher „hügelig“. Immer wenn von der Seite ein Gletscher in den Sund kalbt gibt es eine längere Strecke mit großen und kleinen Eisbergen und einer Unmenge von kleinen Eisklumpen (20-100 cm Durchmesser).
Foto taken by a Danish military drone
Weil wir keinen Stahlrumpf haben müssen wir sehr vorsichtig navigieren und mit gekonnter Slalomfahrt möglichst wenig Kollisionen verursachen. Alles klappt gut und wir kommen ohne Probleme am Ostende bei einer ehemaligen Wetterstation an. Dort gibt es sogar ein Anlegepier, das allerdings bereits von einer 50-Fuß-Yacht besetzt ist. Wegen der Untiefen aus hartem Fels ist auch der Raum zum Manövrieren mehr als begrenzt. Wir fahren ganz vorsichtig rückwärts rein und legen uns im Päckchen dazu. Die andere Yacht ist vor wenigen Stunden aus Island angekommen und ist mit mit 7 netten jungen Menschen aus Frankreich besetzt. Sie helfen uns die Saphir an ihrem Schiff festzumachen. Die Frage ist, wie wir unser Buddy-Schiff „Kestrel“, mit dem wir seit 2 Wochen zusammen unterwegs sind auch noch ins Päckchen bekommen.
Mitten im Nirgendwo
Das allerdings bedeutet Millimeterarbeit und mit ihrem langen Kiel ohne Bugstrahlruder keine einfache Aufgabe. Doch der Captain der französischen Yacht hilft mit seinem 18 PS-Dinghi und schubst auch die Kestrel noch zu uns in Päckchen. Bei Ebbe können wir sehen wie nah die Felsen unter Wasser tatsächlich sind. Den Abend verbringen wir trotz der vielen Moskitos mit allen zusammen auf dem Vordeck der Saphir, geschützt mit Moskitohaarnetzen und ein paar Dosen Bier bzw. RumCola.
Doch sobald die Sonne untergeht verschwinden zwar die Moskitos, es wird aber auch bitter kalt und alle ziehen sich zurück auf ihr Schiff und werfen die Heizung an.
Am nächsten Tag fahren wir weiter, nun entlang der Ostküste nach Norden. Bis zu Mittag haben wir allerdings dichten Nebel ohne Wind. Zum Nachmittag zeigt sich blauer Himmel. Unsere Route führt uns in ein verwinkeltes Fjord. Von weitem sieht es aus als sei der Weg am Ende durch riesige Eisberge geblockt. Doch wir finden einen sehr schmalen Weg zwischen dem aufsitzenden Eis und Land und können uns ganz langsam hindurch schleichen. Von der Natur, die uns umgibt sind wir überwältigt. Glitzerndes weißes und türkises Eis haushoch keine zwei Meter neben uns und das bei stahlblauem Himmel!
Dazwischen müssen wir durch.
Bei der Suche nach einem Ankerplatz für die Nacht lernen wir erstmals kennen, was es bedeutet, wenn die Seekarten nicht mehr stimmen. Tiefenangaben sind eigentlich Makulatur und meist gibt es sie eh nicht mehr. Wir testen den Ankerplatz in dem wir darüber kreisen und hoffen, dass darunter keine Steine sind. In der Regel fällt der Anker bei 15-20 m. (In der Karibik konnten wir immer den Sandgrund bei 4 m sehen und ganz bequem ankern). Hier müssen wir auch noch 2,50 m Tide mit berücksichtigen und in der Regel auch noch beengte Platzverhältnisse mit sehr steinigen, steilabfallenden Ufern.
Seit unserer Ankunft in Grönland haben wir einen Teil der Südwestecke erkundet. Überraschend für uns, weil gänzlich unerwartet ist das schöne Sommerwetter. Wir hatten bisher fast immer Sonnenschein bei langen Tagen. Aber, wenn ein Wind geht, und das ist häufig der Fall, dann ist die Daunenjacke angesagt. Oder man sucht sich eine windgeschützte Ecke und ist in t-shirt und Flip-flops.
Man ist eigentlich immer falsch gekleidet. Auf unseren sehr ausgedehnten Wanderungen über die steilen Berge zwischen den Fjords kommt man ins Schwitzen. Lässt man sich zum Picknick mit atemraubenden Panoramen nieder, wird es schnell wieder jackenkalt.
Wir sind begeistert von einer weitgehend unberührten Landschaft. „Städte“ wie Qarqotoq oder Nanortalik, die ganzjährig bewohnt sind haben zwischen 100 und 500 Einwohnern. Im Moment liegen wir an einem kleinen Pier des Dorfes Appilattoq (50 Einwohner) im Päckchen mit der kanadischen Kestrel.
In den zwei Wochen sind wir in mehrere Fjords bis zu ihrem jeweiligen Ende vorgedrungen. Es ist erstaunlich: trotz der Eisberge ist das Wasser (10°) und die Umgebungstemperatur (10-16°) relativ warm. Die Nächte allerdings sind kalt. Das begrüßen wir, denn unser Kühlschrank hat kein Kühlmittel R134a mehr und wir mussten ihn abstellen. Wir lagern unser Gemüse und unsere Getränke unter dem Schiffsboden bzw. stellen den Kühlschrankinhalt über Nacht ins Cockpit.
Es gibt eine heiße Quelle mit einem Pool zum Planschen. Eine Stunde haben wir darin verbracht, denn warmes Wasser auf der Saphir ist ein rares Gut und das Duschen darf nur 3-5 Liter Wasser verbrauchen.
Wir sind in den Prince Christian Sound eingefahren (Wassertemperatur 5°) . Er sei der Beagle-Kanal des Nordens und schneidet sozusagen die Südspitze von Grönland ab. Das erspart uns die Umrundung des sehr stürmischen und berüchtigten Cape Farvels.
Vor uns liegen nun 500km unbewohnte Ostküste. Auch die bisher relativ genauen Seekarten sind passé. Es gibt noch ein paar Beschreibungen von Ankermöglichkeiten, aber auch die können schon mal 3 km von den Karten abweichen. Außerdem studieren wir weiterhin jeden Tag die Eiskarten. Bis ca. 150 km nach Nordosten scheint es frei von Treibeis zu sein, wenngleich wir mit einer großen Anzahl von Eisbergen und den etwas kleineren Crawler im Schlepptau rechnen müssen. Wir hoffen, dass wir möglichst weit nach Norden vorstoßen können. Das würde auch die Passage nach Reykjavik deutlich verkürzen.
Und das heißt, dass wir bis zu unserer Ankunft in Reykjavik kein Zugang zu Internet und Telefon haben werden.
Wir hatten großen Respekt vor der Passage von Südost-Labrador nach Südwest-Grönland. Wir schätzten 600 Nautische Meilen (knapp 1100 km) bzw. 100 Stunden. Die Entscheidung wann ein guter Zeitpunkt zum Sprung ist beschäftigte nicht nur uns, sondern die ganze Gruppe der 7 Segelschiffe die mehr oder weniger den gleichen Absprung- bzw. Ankunftsort ausgesucht hatten. Man sucht die beste Lücke zwischen zwei Tiefdruckgebieten. Gehen wir zu früh müssten wir mit noch starken Winden und vor allem Wellen zu Beginn rechnen, starten wir zu spät erwischt es uns vor der grönländischen Küste oder das nächste Tief rollt uns von hinten auf. Außerdem wäre es gut die Eisberggebiete vor den Küsten von Labrador und Grönland eher bei Tag zu passieren. Tag ist von vier bis 23 Uhr und dazwischen ist es so hell, dass man fast noch die Zeitung lesen könnte.
Nachtrag zum kaputten Generator in Battle Harbour
Wir entschieden uns für den Mittwoch, 29. Juni 2022 um 4.30 h zum Start ab Battle Harbour zusammen mit der schottischen Misty Mhor. Das Ziel hieß Paamiut. Tatsächlich hatten wir eine ziemlich ruhige Passage, zu Beginn am Tag durchaus mit T-Shirt Wetter. Unterwegs entschieden wir zusammen mit der Misty Mhor das etwas südlicher gelegene Cape Desolation anzusteuern. Am Sonntag, den 3. Juli um 9.30 Uhr fiel der Anker im Bang Havn, am Ende des in der Überschrift genannten Fjords, einer sehr einsamen Bucht, dafür aber mit einem grandiosen Panorama.
Pünktlich zum Nachmittag zog sich der Himmel ganz zu, der Wind wurde stärker und es fielen vereinzelte Schneeflocken. Am Abend und in der Nacht hatten wir Starkregen, der bis heute Nachmittag (Montag 4. Juli) anhält, Winde bis knapp 30 kn und es ist bitter kalt.
Welcome to Greenland!
Jetzt gibt es neue Herausforderungen:
Die eine ist die sehr ungewöhnliche Sprache. Es ist fast unmöglich sich mit den anderen per Sprechfunk über Ortsnamen entlang einer Route zu unterhalten. Außerdem kann man sich die Namen definitiv nicht merken. Im Sprechfunk sind wir dazu übergegangen anstatt der Orte die Seitenzahl und Kennnummer des Ortes in unseren Pilot-Büchern zu nennen. Beispiel: Eqalugaarsuit oder 172,17.
Die weitere Herausforderung ist natürlich immer noch das Wetter, jetzt aber insbesondere die Eissituation. Die Eisdichte wird auf einer Skala von 1-10 angegeben. Unser „Pleasure Craft“ kann noch „1“, ein starker Eisbrecher schafft nicht mehr als „8“. In Abhängigkeit von Wind und Strömung kann sich die Eissituation stündlich ändern. Am Ende der Fjords münden die Gletscher und kalben. Je nach Aktivität treiben dann kleine und große Eisberge den Fjord hinunter und können für uns das Befahren unmöglich machen. Auch beim Ankern möchte man nicht in den Wettbewerb mit Eisbergen kommen, die sich ziemlich penetrant mit einer Geschwindigkeit von 4 Meilen pro Tag ihren Weg bahnen.
Morgen wollen wir weiter. Doch heute Abend wissen wir noch nicht welches Ziel wir tatsächlich ansteuern können, Narssaq oder Qaqortoq, oder ob wir schon früher einen guten Ankerplatz ansteuern müssen. Was wir allerdings wissen, ist dass es den ganzen Tag Regen gibt. Dafür ist der Wind dann runter auf 5-8 kn. Die ganze Strecke dauert 10-12 Stunden. Wir werden uns warm anziehen müssen.
7.Juli 2022
Wir sind bis Narsaq durchgekommen, trotz der 3er-Eissituation. Weil das Wasser spiegelglatt war konnten wir auch die teils sehr durchsichtigen Eisschollen erkennen.
Narsaq. Wir liegen im 4. Päckchen. Gut, dass die Schiffe dort nicht häufig bewegt werden.
Der Kleine Hafen ist rammelvoll. Wir liegen in vierter Reihe im Päckchen. Jetzt ist erstmal Landerkundung (Supermarkt, Bank, Wanderwege) angesagt.