Unser Sicherheitskonzept bei der Atlantiküberquerung

Dies ist ein Artikel ohne Fotos. Vielleicht wird er trotzdem gelesen, denn das Thema ist spannend.

Mindestens zwei, manchmal drei Wochen dauert eine Atlantiküberquerung mit dem Segelschiff. In einem Notfall ist man auf sich selbst angewiesen bzw. bis einem geholfen wird kann es Tage dauern. Was also tun wir um unserer Sicherheit und Unversehrtheit für Leib und Leben Rechnung zu tragen?

Die beste Lebensversicherung ist unser Schiff, eine Hallberg Rassy 43 mit Mittelcockpit. Fast 200 Exemplare wurden von diesem Schiff gebaut; es hat sich vor allem auch bei Weltumsegelungen bewährt. Sie ist der Traum vieler Segler. Das Mittelcockpit bietet besten Schutz gegen anlaufende stürmische Seen, der lange Kiel hält das Schiff stabil auf Kurs, das Ruderblatt ist an mehreren Stellen mit kräftigen Angeln am Schiff befestigt (Skeg), mit dem sehr kräftigen 75 PS Volvo Penta Motor kann man auch schon mal „gegen an“ und nicht zuletzt hat sie ein bewährtes Rigg mit kräftigen Wanten und Stagen (12-14mm Edelstahlseile). Mit 13,5 m Länge, 16 Tonnen Gesamtgewicht und gut 110 qm Segelfläche können wir sie zu zweit noch optimal beherrschen. Alle Segelmanöver können wir bewerkstelligen ohne das sichere Cockpit zu verlassen.

Damit wir immer wissen wo wir sind gibt es 2 professionelle Plotter, festinstalliert, davon einer unter Deck mit den neuesten Seekarten. Die Karten können wir mit Radarbildern und AIS-Signalen überlagern. AIS zeigt von anderen Schiffen in unserer 50 km-Umgebung in Form kleiner Schiffssymbole Richtung und Geschwindigkeit und weist auf Kollisionsgefahren hin. Weiterhin haben wir noch 3 iPads an Bord, ebenfalls mit aktuellen Seekarten und integriertem GPS. Auch unsere beiden iPhones liefern zuverlässig Längen- und Breitengradangaben für unsere Position, ebenso unser festinstalliertes VHF-Funkgerät, das mobile Funkgerät und das Iridium-Satelliten-Telefon. Insgesamt haben wir 10 GPS-Signalgeber an Bord und können unsere Positionen auch regelmäßig auf der Papierkarte einzeichnen.

In unseren Automatikschwimmwesten ist ein kleiner AIS-Sender integriert. Wenn einer über Bord geht (und die Weste trägt ;-), wird ein Signal an die beiden Plotter gesendet und die Position auf 5-10 m genau sichtbar gemacht. Der Sender hat eine Reichweite von ca. 12 km und 48 Stunden Sendezeit. Das hilft beim Wiederfinden! Übrigens gehen die meisten Personen beim Pinkeln über die Reling über Bord (Männer!). Das ist bei uns an Bord streng untersagt.

Es gibt zweimal den „Dritten Mann“, zwei voneinander unabhängige Autopiloten, die komplett selbstständig, auch unter widrigen Umständen, die Steuerung der Saphir beherrschen. Ohne Autopilot würde die Überquerung mit einer 2er-Crew eine kräftezehrende unschöne Angelegenheit.

Über unser Iridium-Satelliten-Telefon können wir uns einmal am Tag den Wetterbericht schicken lassen. Wir haben uns für eine 3-Tagesvorhersage in 12-Stunden-Intervallen mit Wind- und Wellenparametern entschieden. Weiter voraus ist meist Kaffeesatzleserei.

Unsere beiden Wassertanks fassen insgesamt 600 Liter. Das sollte eigentlich locker reichen. Mit unserem Wassermacher können wir aber jederzeit 50 l/h nachliefern. Das erlaubt uns sogar den Luxus einer täglichen Dusche. Zur Sicherheit haben wir aber auch noch ca 60 Liter Wasser in Plastikkanistern dabei. Falls wir die Saphir verlassen müssen werden wir soviel wie möglich mitnehmen.

Ohne Strom würde das alles nicht funktionieren! Zur Stromerzeugung nutzen wir drei unabhängige Quellen. Während des Segelns läuft unser Hydrogenerator (Watt&Sea) mit, ein Propeller im Wasser der durch Strömung angetrieben wird und bis zu 600 Watt Dauerleistung bringen kann. Der sollte reichen um unseren gesamten Strombedarf zu decken. Als Backup haben wir noch einen 3,5 KW Dieselgenerator und wenn der ausfällt können wir noch mit der Hauptmaschine Strom erzeugen.

In unserer Gefriertruhe lagern sage und schreibe 18 selbst gekochte Essen (asiatisch, schwäbisch, mexikanisch,…). Es wird uns an nichts fehlen, außer Alkohol. Der ist während der Überfahrt verboten. Falls die Gefriertruhe ausfällt haben wir noch einen Kühlschrank, den man auch auf -18° kühlen kann als Backup. Und wenn der ausfällt gibt es halt Spaghetti.

Unser Gasvorrat ist auf 4 Flaschen verteilt und reicht insgesamt gut 12 Wochen. Falls der Herd ausfällt haben wir noch einen Ersatzbrenner, der direkt auf die Flasche geschraubt wird.

Wenn es zum Schlimmsten kommt und wir die Saphir verlassen müssen gehen wir in unsere sich selbstaufblasbare Rettungsinsel. Das haben wir in einem Seminar ausgiebig trainiert. Unsere EPIRB (Electronic Position Identification Radio Beacon) sendet dann automatisch 96 Stunden lang unsere Position an ein Rettungszentrum, egal wo wir uns auf dem Planeten befinden. Von dort wird dann umgehend die Rettung eingeleitet. Mit unserem Iridium Telefon können wir aber auch jederzeit telefonieren.

Alles in allem haben wir genug Vorsorge getroffen um eine unbeschwerte Überfahrt zu genießen. Eigentlich wollten wir heute in Richtung Kapverden starten, doch das Wetter (bis 30kn Wind und 4m Welle) sagte uns was anderes.

Geduld ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor beim Segeln.

7 Gedanken zu “Unser Sicherheitskonzept bei der Atlantiküberquerung

  1. Familie Eckelmann ist beruhigt! Viel Spaß wir sind sehr gespannt auf den Bericht nach eurer Überquerung.

  2. Ben van Schaik

    Da habt Ihr Euch sehr gut vorbereitet. Gute Fahrt wünscht Ben

  3. …gut so !! Das wollte ich eigentlich schon länger wissen ..!! Dann machen wir uns schon etwas weniger „Sorgen“ .. ! Auf einen super Trip, Sven & Susi

  4. Liebe Katrin, lieber Klaus,

    das hört sich alles sehr spannend an für einen Binnensegler.
    Viel Spaß beim „Schaukeln“ über den Atlantik.

    Euer treuer K2-Blog Leser

    Theo

  5. Isabel Trautwein

    WOW!! Das ist ja sehr beruhugende Information!

    Ich denke, mein Haus ist viel weniger sicher als eure Saphir, jedoch in der Not esse auch ich Spaghetti. Aber ich habe weder GPS noch AIS noch iridium Telefon. Ich werde scharf darüber nachdenken müssen.

    Wir haben grade Fisch mit Klaus Kräuter gegessen. Sehr sehr lecker. Das rötliche ist?? Paprika? Echt gut.

    Euch beiden tausend Grüsse und viel Glück für morgen. Ich war heute (Tag 1 nach 19 Std Reise hierher von Meersburg) langlaufen und der Wind war auch total bitter. Hier hat es -20 Grad. Heute nacht wird es -35 sein. Kein Wunder war ich die einzige auf Skiiern.

    Seif beide sehr lieb umarmt. VIEL GLÜCK!!

    Eure Isabel

  6. Das klingt spannend und ihr seid sehr sehr sehr gut vorbereitet!!! Viel Glück auf Eurem Abenteuer und wir sind gespannt was ihr berichten werdet!! Lg Kaddy, Dejan und Lias

  7. Sehr gute Vorbereiung – aber auch ein ganz tolles Schiff

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