Saphir in Seenot : Nachlese

Die letzten Tage haben wir genutzt besser zu verstehen was eigentlich das Problem für unseren Seenotfall war. Und gerne möchte ich hier teilen, was wir dadurch gelernt haben. Der Blockeintrag richtet sich daher vielleicht etwas mehr an die Seglergemeinde, doch sind alle anderen auch herzlich eingeladen bis zum Ende zu lesen.

Der entstandene Schaden war tatsächlich gering. Nur das letzte Umlenk-/Untersetzungsgetriebe, das direkt vor der Achse der Ruderanlage sitzt hat gelitten. In der ruhigen Marina Mindelo konnten wir das bereits am nächsten Morgen nach unserer Ankunft feststellen. Und die gute Nachricht war, dass der hier ansäßige Reparaturbetrieb das Getriebe öffnen und zwei beschädigte Zahnräder so nachbearbeiten konnte, dass alles wieder tadellos funktionierte. Unser Autopilot 1, der zum Zeitpunkt des Notfalls aktiv war hat sogar gar nichts abbekommen. Der Mechaniker hat ihn aber ebenfalls geöffnet und auf Herz und Nieren geprüft.

Bereits am Abend war alles wieder eingebaut und wir gingen auf Testfahrt hinaus auf den zugigen Kanal zwischen den Inseln San Antao und Sao Vicente. Alle Systeme also wieder im grünen Bereich und wir haben keine Sorgen, dass wir mit unserer Steueranlage während der großen Überfahrt Probleme bekommen werden.

Wir segeln jetzt vier Jahre auf der Saphir, haben mehr als 15.000 sm zurückgelegt und denken, dass wir damit ein wenig erfahren sind. Doch wir lernen voller Demut, dass trotz aller Vorsicht immer wieder etwas (dämliches) dazwischenkommt, etwas kleines unscheinbares, das unbedacht bleibt und am Ende große Konsequenzen nach sich zieht.

Was hätten wir auf See anders machen können/sollen?

Mit Sicherheit deutlich mehr Zeit auf eine systematische Fehlersuche verwenden. Wir waren sicher – die Saphir geht wie Butter durch die Wellen – zum Zeitpunkt des Vorfalls waren weder wir noch unser Schiff gefährdet. Also Autopilot ausschalten und Segel einholen. Unter Motor testen was geht und systematisch vom Ruder bis zum Steuerrad das gesamte Steuersystem untersuchen. Falls man den Fehler nicht findet, Komponente für Komponente (Autopilot 1, Untersetzungsgetriebe, Autopilot 2, Kardangestänge…) abhängen und ohne das abgeteilte System testen. Bei unserem Schiff (HR 43 MK III) sind alle Komponenten bestens zugänglich. Am besten man fängt bei der Ruderachse an. Für uns hätte das bedeutet, dass wir gleich festgestellt hätten, dass der Autopilot 1, der direkten Hebel auf die Ruderachse hat, immer noch tadellos funktionierte und wir völlig entspannt weiter segeln konnten. Wir hätten zwar auf die Handsteuerung verzichtet, aber einen genauen, starken Autopiloten gehabt, der uns zuverlässig und sicher die 220 sm nach Mindelo gebracht hätte. Das Ganze hätte uns vielleicht 1-2 Stunden gekostet. Also nichts im Vergleich zur Gesamtreisezeit. Aber wir waren froh, dass wir nach 10 Minuten diese Motor/Autopilot 2-Lösung hatten, die eigentlich gar keine gute war, denn der Fehler war noch immer im System. Wir hatten einfach Glück, dass es solange gut ging und wir nur auf den letzten Seemeilen in den echten Notfall kamen.

Mittelcockpit-Yachten haben das Problem mit der Blindheit beim Einsatz der Notpinne. Dafür haben sie andere Vorteile, die wir persönlich sehr überzeugend und wichtiger fanden und warum wir uns für eine solche Yacht entschieden – neben ihrer unvergleichlichen Schönheit 😉

Nun werden wir bis kommenden Dienstag in Mindelo bleiben, ab Sonntag werden Wind und Wellen etwas zurück gehen und wir haben ab Anfang kommender Woche beste Startbedingungen für die anstehenden 2100 sm (= 14-16 Tage) nach Barbados.

Noch ein kleiner Nachtrag zum vorletzten Block (Papa Negra): Unbedingt einen Schuss Limettensaft zur Avocadocreme hinzufügen!

Und wer möchte darf gerne „Follower“ auf unserem Block werden….

4 Gedanken zu “Saphir in Seenot : Nachlese

  1. Lutz Schirmer

    Das freut mich, dass ihr den Schaden so schnell beheben konntet und nun die grosse Überfahrt wagen könnt. Ich bin schon gespannt auf Euren nächsten Bericht!

  2. Ben van Schaik

    Beim Segeln gibt’s nun einmal nichts was es nicht gibt. Es gibt immer wieder unerwartete Herausforderungen. Das stellen wir auch immer fest. Darum ist dieser „Sport“ so faszinierend. Aber statistisch gesehen habt Ihr die Probleme jetzt hinter Euch.
    Eine gute und schöne Überfahrt wünsche ich Euch.

  3. Alles bestens lieber Klaus. Wir lassen es auch heuer wieder ein wenig ruhiger angehen. Baltische Staaten mit unserer „ Finally“. Aller Achtung wie Ihr die Überquerung gemeistert habt. Sehr spannend zu lesen was Ihr Beiden so erlebt.
    Herzlichen Gruß aus Tirol, auch von Rosi.

    Ben

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