Wir merken einmal mehr wie sehr wir Segler vom Wetter abhängig sind. Seit dem 14. Juli sind wir vom ganz hohen Norden wieder zurück in Longyearbyen, dem einzigen stadtähnlichen Ort auf Spitzbergen…und warten auf auf ein Wetterfenster um nach Süden zum norwegischen Festland zu segeln. Bezüglich des Wetters sind wir noch nicht mal besonders anspruchsvoll. Wir hätten gerne eine nördliche Windkomponente, mehr als 10 und weniger als 30 Knoten und das für 3 Tage.
Der norwegische Wetterbericht weigert sich beharrlich längere Prognosen als für 24 Stunden abzugeben, ein deutliches Zeichen, dass jede längere Prognose mit hohen Unsicherheiten verbunden ist. Auch unsere anderen 6 Wettermodelle können sich nicht auf eine einheitliche Meinung einigen.

Also weder bei der Windstärke noch bei der -richtung, noch bei der Dauer herrscht Einvernehmen. Vielleicht tut sich zum 3. August ein Fenster auf. Dann hätten wir fast 3 Wochen gewartet.
Wir haben einige zum Teil spektakuläre Eindrücke und Erfahrungen im hohen Norden einsammeln können. Ein Eisbär zu sichten ist großes Glück. Das hatten wir.
Aufregend war unser Ankerabenteuer in Krokvika – eine Bucht wie geschaffen für ein sicheres Ankern…zumindest gemäß Seekarte. Dort wird zwar keine Tiefe mehr angegeben, aber manche sagen, dass dort es überall gut 4m Tiefe gibt.

Wir tasten uns mit der Saphir bei herrlichem Wetter ganz langsam hinein, drehen kleine und größere Runden und tatsächlich, überall 4 m Tiefe. Wir haben 2m Tiefgang. Den Anker werfen wir möglichst tief in der Ausbuchtung hinter der Sandnase und sind gegen alle Winde perfekt geschützt.
Die erste Nacht ist windstill, alles easy. Am Nachmittag des zweiten Tages nimmt der Nordwind zu, auf 25 Knoten. Eigentlich kein Problem für unseren 33kg Anker. Doch plötzlich schlägt der Ankeralarm an. Die Saphir wandert aus.
Also ist ein neues Ankermanöver nötig. Das Wetter sieht so aus: 25-30kn Wind, Temperatur um die Null Grad, strömender Regen.
Als der Anker hochkommt, hängt ein riesiger Klumpen Seegras dran. Kein Wunder also, dass der Anker sich nicht eingraben konnte. Wir machen 3 Versuche. Dann geben wir auf. Es gibt keine Stelle ohne Seegras und den Grund sieht man eh nicht. Wir „tuckern“ zu einem anderen Platz. Dort liegen wir tatsächlich sicher. Nachtessen in Ruhe nach Mitternacht.
Am nächsten Tag werden wir mit schönem Wetter belohnt und können bis zum unserem Umkehrpunkt der Reise vorstoßen. Einer der größten Gletscher: der Monacobreen. Er zeigt sich in unserer ganzen Schönheit.


Gleichzeitig kündigt der Wetterbericht anhaltende starke Südwinde an. Nicht gut für unsere Reisepläne. Wir entschließen uns, die Rückreise bis Longyearbyen mit nur einem „Nacht“-Stopp durchzuführen. Wir kommen bis Ny Alesund, der kleinen Wissenschaftsniederlassung und warten dort wieder auf bessere Winde und erreichen Longyearbyen am 14. Juli.
Seither sind wir im großen Isfjord unterwegs und erkunden noch eine ganze Reihe von kleinen Nebenfjorden. Jedes einzelne ist spektakulär und bietet tolle Ankerplätze.
Unglaubliches Glück hatten wir als in eine Schule von mehr als 60 Belugawalen um die Saphir gerieten. Wahnsinn!
Und nun hoffen wir auf ein kleines Wetterfenster um nach Süden zu segeln. 2.500 km sind es noch bis Oslo. Wir haben noch 7 Wochen dafür.