T-shirt und Flip flops

Die Überfahrt von Longyearbyen auf Spitzbergen zum norwegischen Festland bot alles was ein Seglerherz begehrt und manches was es gern vermeidet. Die Wetterfenster werden schon kürzer um diese Jahreszeit und wer zu lange wartet, der bekommt vielleicht kein gutes mehr.

Wir starten am 30. Juli 2023 obwohl klar ist, dass wir zunächst bis zur Südspitze von Spitzbergen motoren müssen. Wir machen einen Übernachtungsstopp in einer Ankerbucht (‚Josephsbukta’) am Ende eines Gletschers, der allerdings nicht mehr bis zum Meer reicht. Auf einer Sandbank tummelt sich eine kleine Walrosskolonie. Mit uns ist die Ashona unterwegs und am morgen (es wird nicht Nacht) gesellt sich noch die holländische „In Utero“ hinzu. Die Holländer berichten uns, dass die Walrosse Besuch von einem Eisbären hatten. Offensichtlich war er satt und hat sie nicht gejagt. Gut, dass wir so schlau waren, nicht mehr an Land zu gehen. Unsere Verteidigungsausrüstung haben wir bereits in Longyearbyen abgegeben.

Wir starten am Abend gegen 22 Uhr und müssen zunächst die restliche Nacht und den halben Tag motoren. Dann setzt der Wind ein. Und etwas verzögert die Wellen. Wir laufen schnell mit bis zu 8 Knoten am Wind, aber auch mit bis 30° Krängung. Dann und wann kommen auch noch dichte größere Nebelfelder hinzu.

Die Wellen kommen von querab, sind völlig chaotisch und knallen laut gegen die Bordwand. Alles ist unbequem, jede Bewegung extrem mühsam. An Essen und Trinken mag man nicht mal mehr denken.

Chaotische Wellen und unbequeme Krängung

Zwei volle Tage geht das so, dann lässt der Wind nach und wir können, nachdem das Festland schon in Sichtweite ist, den Rest motoren. Für uns überraschend kündigt sich eine Nacht an. Sonnenuntergang 23.30 Uhr, -aufgang 2.45 Uhr. Daran hatten wir schon gar nicht mehr gedacht. Bei der Einfahrt in den Fjord frischt der Wind auf bis fast 30 Knoten. Wir fürchten um das Anlegemanöver im Fischerhafen Torsvåg. Alles geht gut, der Hafen ist groß und wir haben ausreichend Platz zum Manövrieren. Sogar ein Platz am Pantoon ist frei. Der Wind treibt uns regelrecht darauf zu. Um 4 Uhr liegt die Saphir sicher am Steg. Es gibt Spaghetti „Saphir“ und eine gute Flasche Rotwein. Verdient ist verdient.

Eigentlich dürfen wir gar nicht an dieser Stelle festmachen. Der Platz ist reserviert für einheimische Fischerboote. Gegen ein Abendessen im ‚Restaurant‘ dürfen wir sogar eine zweite Nacht bleiben. Bevor wir weiter können nach Tromsø muss sich erst der Wind wieder beruhigen.

In Tromsø haben wir im „Smak“ einen Chefs table reserviert. Es gehört zu den 10 besten Restaurants in Norwegen und tatsächlich, es hat seinem Namen alle Ehre gemacht.

Weil die Walsichtungen in Spitsbergen nicht wirklich üppig waren, entschließen wir uns noch die Nordwestküste von Norwegen zu besuchen. Der Ort ‚Andenes‘ verspricht sichere Walbegegnungen, denn dort kommt in Küstennähe der Meeresgrund aus 2.000 m Tiefe aus dem Abgrund hoch auf 100 m. Wir studieren den Canyon und folgen den Profi-Touristen-Booten. Und wir haben Glück!

Unser Buckelwal

Jetzt aber wird es Zeit nach Süden zu kommen. Es ist noch weit bis Bergen. Wir werden hoffentlich bald guten Wind haben um mit einem großen Schlag, vielleicht über 2 Nächte, nach Süden zu kommen.

Nun sind wir wieder in Svolvær, einem schönen, wenngleich sehr touristischen Ort. Wir werden die nächsten Tage noch etwas weiter nach Westen segeln, am Südrand der Lofoten.

Übrigens, seit unserer Ankunft auf dem Festland haben wir tolles Wetter. Meist mit t-Shirt und Flip Flops. Was für ein Unterschied zu der Kälte in Spitsbergen. Allerdings gab es dort keinen einzigen Regentag.

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