Auf dem Globus ganz oben

Seit Anfang Juli sind wir auf Spitzbergen. Von Longyearbyen ging es hinauf, die Westküste entlang bis zu unserem nördlichsten Ankerplatz Sallyhamna. Ein deutscher Forscher hat dort in den 30er Jahren überwintert und den Platz nach seiner Frau Sally benannt.

Unsere Kiellinie auf Spitzbergen

Wir ließen es uns nicht nehmen auch noch bis auf 80° nördlicher Breite zu segeln. Tatsächlich waren es nur noch gut 8 Meilen nordwärts von unserem Ankerplatz. Trotzdem ist es eine sehr spezielle Reiseetappe gewesen. Die elektronische Karte auf unserem Plotter war schon bei 79° 30 Minuten zu Ende. Eine Bogenminute entspricht entspricht einer Seemeile, also fehlten noch 30 nautische Meilen (= 54 km) bis zum 80sten. Die elektronische Ersatzkarte auf unserem iPad half noch ein bisschen weiter, nämlich bis zu unserem nördlichsten Ankerplatz.

Von da ab ging es zwar mit genauer GPS-Position, aber ohne Karte. Passieren konnte nicht viel. Das Wetter war ok, mit guter Sicht und es war klar, dass keine Untiefen kommen würden. Die einzige Herausforderung war, den richtigen Weg zurück wieder zu finden.

Es fehlen noch 10° bis zum Nordpol (= 600 Meilen)

Landgänge sind schon sehr besonders, denn die Gefahr einem Eisbären zu begegnen ist zu jedem Zeitpunkt gegeben. Man möchte ja schon gerne einen sehen, aber nicht zu nahe und in jedem Fall sollte er bereits satt sein.

In Longyearbyen haben wir uns so ausgerüstet, dass wir zu jeder Art Verteidigung fähig waren. Die Crew von unserem schweizer Buddyboat „Ashona“ deckte sich für 350 Euro mit 20 „Flares“ ein. Das ist eine Signalpistole mit Blitz und Donner. Die Kunst ist, den Knallkörper zwischen uns und den Bär zu schießen um ihn zu beeindrucken. Landet das Projektil hinter dem Bären flieht er, falls überhaupt, in eine für uns ungünstige Richtung, nämlich direkt auf uns zu.

Wir haben ein Gewehr gemietet. Marke Mauser Repetiergewehr, Baujahr 1940 aus alten Beständen der deutschen Wehrmacht, 4 Schuss im Magazin, Hakenkreuz entfernt, Reichsadler vorhanden. Insgesamt haben wir 30 Schuss gekauft. Man weiß ja nie…

Kosten 400 Euro. Man kann sagen, die Profits mit den alten Dingern sind unendlich groß. Zumal wir am Ende Gewehr mit allen Kugeln wieder zurückgegeben haben. Kein einziger Schuss war notwendig.

Unser Eisbär

Unser Meeting mit dem Eisbär verlief unspektakulär, aber war schon etwas besonderes. Wir waren im Dinghi, sind ihm auf 20-30m nahe gekommen. Er hat mal kurz zu uns herüber geschaut und sich dann weiter mit seiner Mahlzeit aus den Resten eines Walrosses beschäftigt.

Landgang: My Dinghi, my rifle and me

Svalbard/Spitzbergen ist anders als Grönland. Dort waren wir wirklich weit ab von jeglicher Zivilisation. Hier auf Spitsbergen verfolgen einen die ganz großen Kreuzfahrtschiffe auf Schritt und Tritt. Sie sind wirklich überall, an allen bekannten (und schönen) Stellen, vor den Gletschern, bei den Walrosskolonien. Nicht selten hat man mehrere Schiffe auf einmal. Es kommen jedes Jahr 50.000 meist Kreuzfahrt-Touristen nach Spitsbergen, aber höchstens 30-40 Jachten wie die Saphir.

Jetzt sind wir wieder in dem Hauptort. Ab Samstag warten wir auf ein gutes Wetterfenster, das uns wieder auf das norwegische Festland zurückbringen wird.

Ein Kommentar zu “Auf dem Globus ganz oben

  1. Tolle Berichte!
    Wir haben 2004 einmal die ganze Insel umrundet mit einem ehemaligen Forschungsschiff, der M/V Professor Multanovskiy.
    Wir haben damals kein einziges dieser riesigen Kreuzfahrtschiffe gesehen.
    Gott sei Dank.
    Das ist ja schrecklich.
    Liebe Grüße BrigitteE

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