Unerwartet

Im Oktober 2019 haben wir die Saphir in Herrington Harbor North (in der Chesapeake Bay, wenige Kilometer südlich von Annapolis/Baltimore)zurückgelassen um schon wenige Wochen später wieder zurück zu kommen.

Unerwartet kam die Nachricht, dass der Schaden am Rumpf durch unseren Zusammenstoß mit einem Felsbrocken in Grenada nicht ganz so glimpflich verlief wie gedacht.

Unerwartet kam die Corona-Krise noch bevor die Reparatur abgeschlossen werden konnte. Die Arbeiten wurde eingestellt und das Reisen unmöglich gemacht. Wir beschlossen die Krise in der Schweiz bzw. Deutschland abzuwettern.

Unerwartet lange dauerte die Corona-Krise. Letztlich blieben wir bis Juni 2021 in Europa. Dann flogen wir für eine Woche zur Saphir um nach dem Rechten zu sehen und alles zu veranlassen, das uns eine schnelle Wasserung und spätere Abreise Richtung Norden ermöglichen sollte. Wir haben mit einem Törn an Kanadas Ostküste geliebäugelt (Neuschottland, Neufundland und mit ein wenig Glück sogar bis hinauf nach Labrador). Nach vier Wochen, Anfang Juli flogen wir abermals, nun für den länger geplanten Segelaufenthalt über Washington zur Saphir.

Unerwartet waren übrigens die Flugformalitäten. Klar, wir brauchten einen aktuellen Test. Wir flogen unter dem Ticket „US-Staatsbürgerschaft“ von Katrin. Als Ehemann darf man dann mitkommen. Man muss dann beim Einchecken, am besten 3 Stunden vor Abflug, nur seinen Trauschein zeigen. Der wird dann mit dem Mobiltelefon abfotografiert und per email nach USA (FBI, NSA,…?) geschickt und über ca. eineinhalb Stunden begutachtet. Unser Schweizer Ehezeugnis ist zwar viersprachig, aber selbst ich hätte es in einer Stunde mit MS Word produzieren können, denn es hat weder Siegel noch Stempel. Egal, wir durften zu den anderen 29 Passagieren einsteigen und im praktisch leeren Flieger jede Menge freier Plätze quer liegend genießen.

Unerwartet gab es dann doch noch eine ganze Reihe von Reparaturen, die vorher einfach nicht abzusehen waren. Wir haben gelernt, dass ein Schiff das länger an Land steht vielleicht sogar noch etwas anfälliger wird als im Wasser. Jedenfalls hatten wir keine Schimmelflecken, unter Deck ist alles trocken geblieben. Aber, ein Kühlschrank fiel aus, die Frischwasserpumpe lief hohl, eine Toilettenpumpe hatte sich festgefressen und vieles mehr an teurem Kleinzeug das unbedingt vor dem Törn gemacht werden musste.

Unerwartet mussten wir deshalb in Herrington viel länger bleiben als uns lieb war. Manche Reparaturen haben wir selbst erledigt, aber unsere Tage waren noch mehr damit ausgefüllt immer wieder die Handwerker und Servicetechniker zu organisieren und darum zu betteln, dass sie sich möglichst schnell um die Saphir kümmern.

Unerwartet haben wir auch unseren zweiten geplanten 2-Nächte Törn von Cape May bis zu Cape Cod bereits nach der ersten Nacht abgebrochen. Wir sind in eine extrem heftige, durch den Wetterbericht nicht vorhergesagte Gewitterfront, geraten. Über vier Stunden schlugen rings um uns herum die Blitze nieder. Am nächsten Vormittag und mit einem neuen Wetterbericht, der nochmals starke Gewitter vorhergesagt hatte und auch noch nachdem Hurrikan „Elsa“ bald über unsere Region hinwegziehen sollte haben wir uns kurzer Hand umentschieden, sind nach „links“ abgebogen und haben Kurs auf New York genommen. Zwei Tage hingen wir an der Boje von Freunden in Great Kills, ca. 30km südöstlich von Manhattan.

Unerwartet liefen wir, nun schon zum zweiten Mal, in New York ein und haben wieder die Brooklyn Marina gewählt. Sie hat die spektakulärste Aussicht auf die Südspitze von Manhattan. Zwei Tage New York sind erwartet schön.

Unerwartet lange mussten wir nordöstlich von New York, in Port Washington, mehrere Tage auf ein gutes Windfenster zum Törn durch den Long Island Sound bis zum Cape Cod warten. Uns scheint, dass sich auch hier das Wetter verändert. Es gibt viel mehr Gewitter, es ist meist viel zu heiß, zu windstill und die Vorhersagen gehen zwischen den Wetterberichten oft weit auseinander.

Unerwartet mussten wir auch den Törn zum Cape Cod früher als gedacht beenden und einen Nothafen aufsuchen. Von den sehr guten Winden blieben nur 50% übrig, also haben wir 9 Stunden motort. Am Abend, vor der zweiten Nacht zog Nebel auf, anfangs nur über Land und vor Einbruch der Dunkelheit dann auch massiv über dem Wasser. Null Sicht. Langsam haben wir uns in eine Bucht kurz vor der Einfahrt in den Cape Cod Canal hineingetastet.

Und siehe da, ganz unerwartet hat sich dort plötzlich der Nebel gelichtet und uns wurde sogar noch eine freie Gästeboje geschenkt.

Nun sind wir sehr gespannt, was uns hinter dem Nebel die nächsten Monate noch alles erwartet.

Ein Gedanke zu “Unerwartet

  1. Isabel Trautwein

    Ganz wie erwartet, toll geschrieben!

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