Geduld

Die Saphir schiebt, solange ich das schreibe, um 6-8° Lage, außerdem rüttelt das ganze Schiff etwas unruhig im Wasser. Wer jetzt denkt wir sitzen im Cockpit und segeln auf hoher See Richtung Schottland, denkt falsch.

Tatsächlich liegen wir sicher im Fischerhafen von Vagur, das ist der südlichste Hafen auf der südlichsten Insel der Faröer. Der Wind kommt etwas von der Seite und weht schon seit zwei Tagen mit ca. 20 Knoten, in der letzten Nacht hatten wir Spitzen bis 30 Knoten.

Gut, dass der Wind uns vom Pier wegdrückt. So bleiben uns die schwarzen Striemen der Autoreifen erspart.

Eigentlich wären wir jetzt gerne in Schottland und das schon seit einigen Tagen. Die Herbststürme kommen hier allerdings gerade so dicht hintereinander, dass wir nicht mal ein kurzes ca. 30-stündiges Wetterfenster finden.

Am 19. August sind wir in Westmänner/Island gestartet um die ca. 370 Meilen nach den Faröern zu segeln. Es war ein sehr kurzfristiger Entschluss, den wir erst am Morgen fassten. Dafür wurden wir mit einem herrlichen Segeltag bei schönstem Wetter belohnt. Der zweite Tag war schwachwindig und wir mussten einen Teil sogar motoren., dafür gab es dann am dritten Tag mächtig Wind und mächtig Welle. Wir waren ganz schön froh, als wir am Abend endlich in Landabdeckung kamen und um Mitternacht endlich im ruhigen (!) Hafen von Tórshavn, der Hauptstadt der Faröer, anlegen konnten. Wir haben den sicheren Hafen gerade noch rechtzeitig vor weiterem Unwetter erreicht.

Belohnt wurden wir für diese Überfahrt mit weiteren vier Tagen Regenwetter und Nebel. An manchen Stunden sah man nicht mal mehr die andere Seite des Hafens. Wir hatten also ausreichend Gelegenheit das kulinarische Angebot von Tórshavn zu entdecken. Die Küche ist sehr speziell, was das Meer und das Land hergibt – also junge Kelbblätter, Anchovie-Eis, Seeigel, Kartoffeln und Rhabarber (das einzige Gemüse das hier wächst) und ein paar kümmerliche Kräuter, die mühsam gesammelt werden. Die Menüs waren gewöhnungsbedürftig, aber etwas besonderes. So hatten wir noch nie gegessen.

Und dann, endlich nach vier Tagen hat sich für einige Zeit die Sonne angekündigt. Das haben wir zu unglaublich schönen Wanderungen genutzt. Meist waren wir 16-20 km unterwegs.

Gut geschützt vor dem Wind für eine kurze Mittagspause
Mit blauem Himmel sind die Faröer fantastisch schön und entschädigen für die anderen 95%…

Und dann wieder warten bis sich ein Wetterfenster für die 240 Meilen nach Schottland auftut. Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt.

Am Samstag den 3. September entschließen wir uns wieder kurzfristig am Morgen den Sprung nach Schottland zu wagen. Die Wettervorhersage ist so lala. Winde um die 20 kn leider etwas von vorne, sodass klar ist, dass wir gegen an kämpfen müssen. Eine Nacht, glauben wir, können wir das gut durchhalten.

Draußen im freien Ozean sieht das dann ganz anders aus. Winde bis 30kn und die dazugehörige Welle. Wir geben auf und legen 6 Stunden später in Vágur an.

Hier sitzen wir nun bei wirklich miesem Wetter und warten. Alleine sind wir nicht, es sind noch zwei weitere Segler hier und noch zwei werden erwartet. Tatsächlich sind wir mehr als erleichert, dass wir abgebrochen haben, solange es noch gut ging.

Wir haben schon einen festen Termin für die Auswasserung in Fairly Quay (nähe Glasgow) gebucht: 19. September um 8.15h.

Hoffen wir, dass wir bis zum Termin dort sind. Wir brauchen dafür mindesten 6 Tage. Es wird jeden Tag ein wenig knapper.

Diesen Donnerstag geht es vielleicht weiter.

Ein Gedanke zu “Geduld

  1. Isabel Trautwein

    Au weia! Viel Glück und 1000 Grüße aus Kölllllln.

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